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Brief_22 Dritte Sitzung - erste Erleuchtung

02.12.2015 17:16

 

Hallo Michael,

 

nachdem mein Hundesitting- Dienst bei Sam heute Vormittag zu Ende war, bin ich zur Therapeutin gefahren. Zwei Dinge haben sich zwischen 12 und 13 Uhr bestätigt:

1, Man kann nicht sein eigener Psychotherapeut sein.

2, Kathi kriegt nicht umsonst 90€ die Stunde.

Hatte eine wahre Erleuchtung. Es ging heute hauptsächlich darum, dass ich bisher nie verstanden hatte, warum ich mich schon vor dir immer nur zu Männern hingezogen fühlte, bei denen von vornherein klar war, dass es nicht einfach werden würde. Dass ich nie den einfachen Weg wähle, sondern immer den, auf dem "Krisen bewältigt" werden müssen. Und gab es keine Krisen, wurde ich selbst zum Problem ( Beziehungsphobie … "Nein, ich kann das alles nicht, das ist mir zu viel …" ) Unterm Strich: Steht da ein Typ, der wahnsinnig lieb ist, humorvoll, intelligent, gut verdienend, respektvoll, angesehen, unkompliziert und daneben ein Typ, der auf seine Art und Weise speziell ist und die Wahrscheinlichkeit einer unkomplizierten Beziehungsführung bei max. 10% liegt, stürze ich mich auf den 10%- Typen. Weil das, wie wir jetzt wissen, scheinbar mein Naturell ist. Spiegelt sich auch in sämtlichen anderen Bereichen meines Lebens wieder: Ist die Hölle los auf der Station, arbeite ich am Effizientesten, habe ich Zeitdruck, funktioniere ich am besten, gibt' s irgendwo Probleme, bin ich zur Stelle und versuche, sie zu lösen. Zack, zack, zack. Bis ich damit fertig bin. Ich nenne die Dinge beim Namen und mache. Auch meine Gefühle sind am intensivsten, sobald eine Krise sich anbahnt. Speziell auch in unserem Fall. Jedes Mal, wenn du bzw. der bipolare Teil deiner Persönlichkeit wieder angefangen hat, alles zwischen uns anzuzweifeln, habe ich alles unglaublich stark gefühlt: Traurigkeit, Hoffnung, Liebe.

Warum das so ist:

Wie man es aus dem Fernsehen kennt: Die Therapeutin und ich haben in meiner Vergangenheit und Familiengeschichte rumgewühlt. Alles keine Neuigkeiten, doch habe ich da nie eine Verbindung gesehen: In meiner Familie wurde gestritten und anschließend … nichts getan. Wir haben nicht darüber geredet, uns ausgesprochen, irgendwas abgeschlossen. Es wurde einfach geschwiegen und Tage später haben wir dann so getan, als wäre nie etwas passiert. So habe ich es kennen gelernt als Kind, das wurde mir so mitgegeben. Also habe ich es, bereits im Kindesalter, kompensiert: Große Fresse, aufmüpfig, frech, streitlustig- mein Versuch, zu kommunizieren. Weil mir diese Teile, also Offenheit und Aufarbeiten, natürlich gefehlt haben. In der Pubertät wurde es natürlich noch schlimmer mit mir: Die Hormone spielten zusätzlich verrückt und ich wurde noch rebellischer. Ich habe seit einer Ewigkeit nicht mehr daran gedacht, dass ich mich damals sogar ritzte. Einfach, um endlich Aufmerksamkeit zu kriegen. Alles in mir wollte es rausschreien, endlich gehört werden und zuhören. Doch wir machten weiter unser Ding, spielten vor allen anderen die happy family und schwiegen uns an. Also alle schwiegen außer mir. Joanna, die Unruhestifterin …

Wie auch immer, das könnte man jetzt noch lange vertiefen, aber das hab ich ja schon mit der Therapeutin getan. Jedenfalls meinte sie dann, dies wäre eine mögliche Erklärung, fast eine logische Schlussfolgerung: Ich fühle mich einfach "lebendiger" bzw. echter, wenn es Krisen zu bewältigen gibt. Stillstand, Alltag, Monotonie usw. sind Gift für mich, da ich den Zustand, wenn einfach gar nichts passiert, unterbewusst mit dem vergleiche, wie es damals jahrelang war. Als würden alle schweigen.

Darum habe ich

1. immer diesen Zwang, ALLES auszusprechen und

2. Krisen unbewusst provoziert, (wie bei Sebastian z.B.) wenn es keine Probleme gab.

Doch manchmal ist es auch einfach "nur harmonisch" und man schweigt, weil es nichts zu besprechen gibt. Differenziere: schweigen und VERschweigen

Das alles unterstreicht nur zum 148.000sten Mal, wie falsch du liegst, wenn du sagst, ich muss mir jemand Unkomplizierteren suchen, um auf Dauer glücklich sein zu können. Da ich mit jemand Unkomplizierten scheinbar gar nicht glücklich sein KANN. Die Therapeutin hat mir aber Gott sei Dank bestätigt, dass die Tatsache, dass ich bin, wie ich bin, nicht ausschließt, dich zu lieben. Also fühle ich mich nicht wegen der Komplikationen, die deine Bipolare Störung mit sich bringen, zu dir hingezogen, sondern ich liebe dich und fühle mich wohl mit dir, weil es immer wieder Komplikationen gibt (die bewältigt werden müssen).

Weil ich genau deswegen Ich sein kann.

2.12.15 19:29
 
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