Startseite
    Joanna ist ...
    Woolly_thoughts
    Briefe 21-30
    Briefe 11-20
    Briefe 01-10
  Über...
  Archiv
  Gästebuch
  Kontakt
  Abonnieren

   28.11.15 18:26
    ...so geht es mir auch ö
   29.11.15 21:00
    Viele Dank für deine lie
   6.12.15 21:32
    Hallo! Über den Begriff
   11.08.17 02:34
    Treściwie i na tema

http://myblog.de/joannas-dead-letters

Gratis bloggen bei
myblog.de





Brief_09 Ich, das AK und die Bipolarität

22.11.2015, 14:35

 

Guten Morgen Michael,

 

ich sage ja immer, der Schlaf nach dem Nachtdient ist der beste. Heute war dem leider nicht so. Ich bin mit Kopfschmerzen ins Bett gegangen und damit auch wieder aufgewacht. Ist auch nicht weiter verwunderlich. Mir schwirrt einfach permanent irgendwas im Kopf herum. Zu viele Probleme ohne Lösungen. Und du weißt, wie sehr ich das hasse.

Heute Früh nach dem Schichtwechsel hat Marina ihr Herz bei mir ausgeschüttet. Ihre Tochter Elise, der ich seit 2 Monaten Nachhilfe gebe, kommt in Englisch vielleicht nicht durch. Marina wurde bereits in die Schule zitiert. Und nicht nur was die schulischen Leistungen betrifft, dreht Marina langsam durch mit ihr. Elise ist 12 und gibt ihr Bestes, um ihr Umfeld in den Wahnsinn zu treiben. Aber so richtig. Erst, als ich schon zu Hause war, hab ich mich daran zurück erinnert, wie ich selbst war als Kind. Du weißt es ja, aber Marina wusste es nicht und daher hab ich ihr dann noch geschrieben:

… Ich nehm mir nur deswegen raus, so über Elise zu schreiben, weil ich selbst ganz genau so war! Respektlos, interessenlos, obergescheit, frech, zickig, launisch, auf Schule keinen Bock, … In einem Jahr habe ich es sogar so weit gebracht, dass Weihnachten für mich ausfiel. Meine Brüder haben Geschenke ausgepackt, sie haben unter dem Baum gesungen und ich habe NICHTS gekriegt. Auch nicht am nächsten Tag. Oder am übernächsten. Und du kennst meine Mama … Also kannst du dir mich ungefähr vorstellen als pubertierendes G'frast … Und auf die Schule bezogen: Was glaubst du, wie oft ich das selbst gehört hab in meiner "Glanzzeit": "Du bist einfach nur saufaul! Du bist doch nicht dumm!" War mir aber trotzdem egal. So wie alles andere. Außer natürlich die Dinge, die andere hatten und ich nicht. Ein klassisches Arschlochkind halt.

Wahrscheinlich hast du dir schon oft überlegt, ob es an dir liegt bzw. an euch als Eltern. Nein, tut es nicht. Ich war und bin KEIN Einzelkind und ich wurde sicher WESENTLICH strenger erzogen als Elise. Und ich war trotzdem so. Ich überlege die ganze Zeit, ob es damals irgendwas gegeben hätte, das mich 'zur Vernunft' gebracht hätte, aber mir fällt leider nichts ein. Bei 'Liebesentzug' hab ich mich immer bestätigt gefühlt ( "Keiner hat mich lieb; ich bin die Ärmste auf der ganzen Welt" ) und wenn ich tun durfte, was ich wollte, dann hab ich das auch. ( "Hat ja sowieso keine Konsequenz" )  

  image

Ich hab Marina dann angeboten, Elise öfter zu mir zu schicken. Von mir aus auch 2 oder 3x die Woche.

Schon oft habe ich mich gefragt, warum ich war, wie ich war. Doch wenn man sich schon Gedanken über sich selbst macht, ist es denn dann nicht viel wichtiger, sich damit zu befassen, wie man JETZT gerade ist? Wer man heute ist?

Deine Bipolare Störung gaukelt dir immer noch vor, du wärst wie früher. Als es dir wirklich, wirklich dreckig ging. Als du nicht mehr wolltest, keinen Ausweg mehr gesehen hast. Und sobald die kleinste Unstimmigkeit auftrat die letzten 1,5 Jahre, hast du für diesen Moment vergessen, was bereits "aus dir geworden ist". Du hast es nicht mehr gesehen. Nur wieder genau den Typen, der mit den Menschen rundherum nichts anzufangen weiß, der sich gerne isoliert, der "nichts kann". Egal, wie viel du geschafft hast und wie sehr du dich weiter entwickelt hast die letzten Monate- lief es mal nicht zu 100% rund, hast du dich wieder so sehr in deine Selbstzweifel verstrickt, unsere Beziehung angezweifelt, ob du das kannst, ob du mir je gerecht werden könntest, mich je verdienen würdest, …

Ich kann gar nicht mehr zählen, wie oft ich versucht habe, es dir zu erklären. Tausend Mal? Zehntausend Male? Aber deine Seele lebt in der Vergangenheit. Und manchmal hatte ich den Eindruck, sie fühle sich dort wohl. Selbst wenn diese Zeit deines Lebens gar keine "Lebenszeit" war, so fühlt es sich für dich dennoch immer noch wie Heimat an. Und umgekehrt: Egal, wie viel Liebe wir uns gegenseitig geschenkt haben, wie oft wir  zusammen über irgendeinen Blödsinn gelacht und  Schönes erlebt haben- irgendwie fühlte es sich für dich trotzdem fremd an.

Das zu wissen hat mich nicht erst einmal sehr, sehr traurig gestimmt. Weil ich es nie zu 100% verstehen werde. Mein Verstand schon, mein Herz jedoch niemals.

 image 

Unser Mandela ... 

22.11.15 16:22
 
Letzte Einträge: Brief_25 Albträume …, Brief_26 Still at the waiting area …, Brief_27 Bombastische Shoppinglaune, Brief_28 Viel Spaß wünsch ich!, Brief_29 Ein herber Rückschlag


bisher 0 Kommentar(e)     TrackBack-URL

Name:
Email:
Website:
E-Mail bei weiteren Kommentaren
Informationen speichern (Cookie)



 Smileys einfügen



Verantwortlich für die Inhalte ist der Autor. Dein kostenloses Blog bei myblog.de! Datenschutzerklärung
Werbung