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Die Bipolare Störung und unsre Beziehung ...

 

Dies ist der letzte Abschnitt meiner Zusammenfassung für Kathi, die Psychotherapeutin. Der für mich momentan Wichtigste von allen:

 

Meine Beziehung mit Michael

 

Wir haben uns übers Internet kennen gelernt. Sein Profil war dermaßen schräg, dass ich ihm einfach schreiben musste. Fernab von 08/15, kein Anpreisen seiner Selbst, super Humor, ironisch, …

Bereits 2x vor unserem tatsächlichen 1. Treffen hat er mir abgesagt. Er hat mir dann auch geschrieben, dass bei ihm vor Jahren mal eine Bipolare Störung diagnostiziert wurde, er Einzelgänger ist, soziophob … War mir egal. So wie er schrieb, musste ich ihn unbedingt kennen lernen. Unser 1. Treffen war unglaublich. Ich hatte das Gefühl, als hätte er sich ewig mit niemandem unterhalten, (also so richtig) doch durch meine eigene Offenheit fing dann auch er an, über sich zu erzählen. Ich habe Michael bei unserem allerersten Treffen Dinge erzählt, die nicht mal mir sehr nahestehende Menschen wissen. Wichtige Dinge, ernste Dinge, sehr, sehr intime Dinge. Es war, als könne er in mich hineinsehen, ich musste mich nicht erklären und er sich ebenso wenig. Wir haben unglaublich viel geredet und gelacht … ich war mehr als fasziniert. Intelligent, groß, sein Herz noch größer, alles war so absolut tabulos. Mir entging nicht, dass er mich auch zu mögen schien und sich mit mir wohl fühlte. Ein paar Tage darauf lud ich ihn zu mir nach Hause ein. Es war lustig, wir kamen uns näher … Danach haben wir uns ca. 1 Monat nicht gesehen. Er hatte eine kleine OP im Gesicht und wollte nicht, dass ich ihn so "entstellt" sehe. Auch wenn ich 1000x geschrieben und gesagt habe, dass es mir egal ist.

So hat es angefangen und  genau so hat es nun wieder mal geendet. Mit Selbstzweifeln. Wir hatten zahlreiche Auf und Ab´s, wir lernten und näher kennen und lieben, haben unsre Familien kennen gelernt, waren zusammen auf Urlaub … Das erste halbe Jahr wollte er es immer wieder beenden, weil er "nicht gut für mich" sei, weil ich "viel besser als er" wäre. "Bitte such dir jemanden, der dich verdient." Unzählige seiner Eigenheiten, die sich bei ihm in den letzten Jahren manifestiert hatten, haben wir zusammen bewältigt. Sein Problem damit, Verantwortung zu übernehmen, ("Kannst du mal kurz mit den Katzen auf dem Balkon warten, während ich aufwasche? "Nein, ich wasch auf, geh du lieber mit den Katzen raus."- aus Angst, den Katzen könne in den paar Min. irgendwas passieren.) sein Druck, es mir recht zu machen, … Er konnte nicht mal in ein Einkaufszentrum gehen. Letztes Weihnachten haben wir das Donauzentrum unsicher gemacht. Mitte Dezember! Er hat mir Geschenke besorgt, obwohl er davor panische Angst hatte, mir würde nicht gefallen, was er mir schenkt. Er hat seine Freizeit die letzten Jahre damit zugebracht, seine Jalousien im Wohnzimmer zuzudrehen, den Fernseher einzuschalten und jegliche Gedanken, die ihn selbst betreffen, zu verdrängen. Ab und zu hatte er Affären mit Frauen, die nichts von ihm erwarteten. Seine Familie behandelt ihn nach wie vor wie ein rohes Ei, was längst nicht mehr notwendig wäre. Er hatte einen starren Alltag. Hat ihn etwas beschäftigt, hat er sich hingelegt und geschlafen. Weil er die letzten Jahre gelernt hat, dass ihm das hilft, weiter zu machen. Das war anfangs auch zwischen uns beiden so. Oft hat er mitten in einer Diskussion gesagt "Ich leg jetzt auf und leg mich hin.". So hat er "überlebt". In seiner schwärzesten Phase vor meiner Zeit hatte er Suizidgedanken. Einmal wollte er es auch wirklich tun, saß stundenlang auf seiner Terrasse im 11. Stock und wollte springen. Davon weiß nur die Schwester seiner Mutter. Er war 2 Jahre lang bei verschiedenen Psychotherapeuten, doch die haben ihm laut seiner Aussage nicht geholfen. Auch die Medikamente nicht. Also hat er seine eigene "Überlebensstrategie" entwickelt. Und die bedeutete monotones Dahinleben und sich in sein "Leo", sprich sein Wohnzimmer, zu verkriechen. Über seine psychische Vorgeschichte weiß ich nicht sehr viel, da er natürlich nie darüber reden wollte. Das kam immer nur kurz zur Sprache, wenn wir in unserer Beziehung wieder mal anstanden. Was ich weiß, ist, dass er in der Schulzeit immer eher der Klassenkasperl war. Bei seiner vorigen Arbeitsstelle war er montags bis mittwochs nicht auszuhalten, weil er so mies drauf war, donnerstags und freitags massiv überdreht, sodass er darauf angesprochen wurde. Dann weiß ich, dass er früher leidenschaftlich gern Basketball gespielt hat. Eines Tages kams zur einer sehr schweren Knieverletzung , Liegegips, angewiesen sein auf seine damalige Freundin, die ihm aber nicht die Stütze war, die er gebraucht hätte. Er konnte sich körperlich sehr lange Zeit nicht auspowern (was ihm damals vlt. mehr Stabilität gab, als er wusste) und wurde depressiv. Die Beziehung mit seiner Freundin wurde beiderseits beendet. (7 Jahre inkl. Zusammenwohnen) Er brach den Kontakt zu sämtlichen Freunden und auch zur Familie ab. Irgendwann der Suizidversuch, irgendwann die 2 Jahre Therapie. Die letzten 4 oder 5 Jahre (?) Monotonie und Affären. Auch mit seiner Ex- Freundin Lena. Mittlerweile sehr gutes Verhältnis zur Mutter und deren Lebenspartner.

Seit Michael und ich uns regelmäßig sehen und treffen, hat sich viel für ihn (und auch mich) verändert. Zum Teil hat er riesige Schritte gemacht. Seine Familie behandelt mich wie eine Heilige, weil sie wohl nicht mehr dachten, dass Michael es "noch mal schaffen" könnte. Alles sehr, sehr liebe Menschen.

Michael hat heuer eine Überraschungsparty für mich organisiert- mit Leuten, die er nicht kennt, Kontakt aufgenommen, den Druck auf sich genommen, dass ich oder sonst jemand enttäuscht sein könnte. Er ist von sich aus neue Kleidung shoppen gegangen, hat Altes entsorgt (was ihm immer massiv schwer fiel), er hat Änderungen zugelassen, sich Dinge zugetraut und gemacht, wovon er sehr oft gesagt hat, er hätte nie gedacht, dass er sowas nochmal tun würde. Er hat plötzlich wieder Menschen gesehen, die Gutes tun und nicht nur "asoziale Arschlöcher". Er hasst Ungerechtigkeiten genauso wie ich. Kann jetzt aber besser mit solchen Situationen umgehen. Körperliche "Beschwerden" (ein eingewachsenes Haar) haben ihn mal fertig gemacht. Mittlerweile hat er sich selbst dabei ausgelacht, wenn er sich dabei ertappt hat.

Und was mich selbst betrifft, hat er ebenso viel bewirkt. Ich hatte in unserer gemeinsamen Zeit gar keinen Platz für Stolz, sonst hätten wir uns nicht mal 3x getroffen. Ich wurde geduldiger, weniger stur. Ich konnte das erste Mal in meinem Leben wirklich Ich selbst sein. Michael hat meine grauen Haare gefärbt, Pickel ausgedrückt, … So etwas hätte ich in tausend Jahren von niemand anderem machen lassen, weil ich ja immer "perfekt" sein wollte. Ich kann mit ihm über Dinge reden, die sonst niemand versteht und sagen "Ist ja jetzt auch nicht so wichtig."

Vor einem Monat sind wir endlich zusammen gezogen. Die Fahrerei war oft Streitthema und es war einfach mühsam. Michael zog zu mir, behielt aber seine Wohnung. Wir haben gesagt, wir probieren es einfach mal 2 Monate aus. 10 Tage nach seinem Einzug (wir waren gleichermaßen euphorisch) fing er an mit "es fühlt sich seltsam an …". Am Tag drauf haben wir darüber gelacht, ist doch klar, dass man sich nach so kurzer Zeit nicht Zu Hause fühlen kann. Ich hab nochmal Möbel umgestellt, damit er einen eigenen Rückzugsbereich hat, wenn ich z.B. Nachhilfe gebe. Ich habe ihm außerdem 1000x versichert, dass es okay ist, wenn er sich mal zurückzieht und schlafen geht. 2 Tage danach hat er seine Sachen gepackt und ist wieder ausgezogen.

Nach seinem Auszug haben wir uns dann noch 3x getroffen. Ich wusste, dass ich nicht mehr so weitermachen will wie vorher. Ständig Hin und Her zu fahren, die ewigen Diskussionen, … Abgesehen davon, dass er, sobald er zu Hause/ in seinem Leo ist, wieder pessimistischer wird, auch was uns beide betrifft ( "Ich kann das alles nicht, ich kann sie nicht glücklich machen" )und ich "muss" das dann bei jedem Treffen wieder aufräumen. Ich habe ihm unzählige Vorschläge gemacht, wie wir es in Zukunft besser machen könnten. Und beim letzten Treffen war er auch ganz "klar". Keine depressive Verstimmung, falsche Wahrnehmung … Dennoch meinte er "Das ist momentan alles so viel. Ich kann zur Zeit nicht mit dir zusammenziehen." Und da dachte ich "Das ist doch jetzt aber kein psychische Problem. Ich bin es ihm einfach nicht wert, nicht zu jeder Zeit des Tages nicht das tun zu können, was er gerade möchte". Sei es schlafen, fernsehen oder Play Station zu spielen.

Also habe ich gesagt, dass es unter diesen Umständen keinen Sinn macht. Etwas nicht zu können oder nicht zu wollen, ist ein riesiger Unterschied. Ich weiß, dass er mich mehr liebt, als alles andere. Und ich liebe ihn. Und das macht es mir so schwer, hier einen Abschluss zu finden. Ich kann mir nicht vorstellen, irgendwann aufzuhören, zu hoffen, er würde mich über sein "Leo" stellen. V.a. weil er auch alles, was ich zu ihm sage, genauso sieht. Er sagt immer "Ich weiß, dass du recht hast. Trotzdem …"

Ich weiß, dass ich das zwischen uns noch auf lange Zeit hätte hinauszögern können. Wir hätten einfach so weitergemacht wie vorher. Er besucht mich, ich besuche ihn, er kommt nicht, wenn er grade "nicht kann". Aber ich weiß auch, dass der entscheidende Moment nur der sein kann, wenn ER sich dazu entschließt, etwas zu ändern. Und egal, wie weit wir es geschafft haben, wie viel wir zusammen verändert haben, seine Selbstzweifel, die Angst zu enttäuschen und v.a. seine Angst, die Kontrolle zu verlieren, wenn er sich nicht in sein Leo flüchten kann, kann ich ihm nicht nehmen. Das ist sein Part. Aber den ignoriert er. Auch wenn er weiß, dass er mich dadurch verliert.

20.11.15 00:07
 
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