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Brief_01 Abschied usw.

12.11.2015, 22:00

 

Lieber Michael,

 

da ich nicht weiß, was ich sonst tun soll, schreibe ich dir. Irgendwie haben mir diese 3 Zusammenfassungen, die ich dir geschrieben hab, als ich versucht habe, "uns zu retten", geholfen. Beim Ordnen meiner Gedanken. Auch wenn uns all die Zeilen letztendlich doch nicht weitergebracht haben. Auf der einen Seite bin ich froh, dass du Teil 2 nach unserem Treffen nicht mitgenommen hast, in dem ich dich gebeten habe, wieder zurück zu kommen. Weil ich mir dämlich vorkomme. Auf der anderen Seite standen da ein paar wirklich gute Dinge, die uns beide bzw. unsere Beziehung betreffen und wahrscheinlich wäre es gut, wenn du dir das durchlesen würdest. Aber ich glaube, du würdest es ohnehin nicht tun. Hast du Teil 1 oder 3 nochmal gelesen? Nein, oder? Die liegen irgendwo in einer Regalecke und verstauben langsam.

Ich hab auch keine Ahnung, was ich mit diesem Schreiben hier tun soll, wenn es fertig ist. Wahrscheinlich gar nichts. Aber mir gehen einfach so viele/ zu viele Dinge durch den Kopf und irgendwo muss das alles ja hin. Ich kann nicht permanent alle rundherum mit meinem Blabla terrorisieren. Mama und Sam haben am schwersten zu tragen. Der Rest meines Umfelds kriegt nur abwechselnd todtraurige ( im Sinne von "von der Welt enttäuschte" ) oder feindselige Kommentare zu hören. Wobei ich im letzten Dienst ab und zu sogar in der Lage war, zu lächeln, sodass es echt aussah.

Gestern war ich das erste Mal bei der Psychotherapeutin, Mag. Kathi. Sie wollte meine vorbereiteten Unterlagen nicht selbst lesen, also hab ichs ihr überflogen vorgetragen. Ich habe so wahnsinnig viel geredet … bestimmt hat sie Hannach ein Thomapyrin gebraucht. Sie hat mich ein paar Mal überrascht, als sie Dinge, von denen ich überzeugt war, sie würde sie sagen, nicht sagte und umgekehrt. Zum Beispiel hatte ich erwartet, sie würde mich in die Richtung lenken wollen, von dir loszulassen. Aber diesbezüglich kam wirklich überhaupt nichts. Sie hält nichts von Diagnosen. Sie meint, es würde ja trotzdem jeder anders ticken und Diagnosen zu stellen, um im Leben zurecht zu kommen, würde keinen Sinn machen. Das fand ich irgendwie weise. Denn auch wenn ich so unglaublich Vieles über die Psyche und im Speziellen über Affektive Störungen gelesen hab, heißt das ja noch lange nicht, dass für dich das Selbe gilt wie für all die anderen vielen tausend Menschen, die eine AS haben. Man fühlt sich maximal kränker mit einer Diagnose. Du weißt, was dir gut tut und du weißt, was dir nicht gut tut. Wir hätten zusammen etwas am Verhalten und am Umgang damit ändern können, das haben wir auch. Für eine Beziehung hat es dann aber trotzdem nicht gereicht. Zumindest jetzt nicht. Ich für mich weiß noch immer nicht, in welche Richtung ich gehen soll und das macht mich am meisten fertig. Könnte ich mich endlich dazu entschließen, es sein zu lassen und zwar mit voller Überzeugung, könnte ich zur Kathi sagen: "Komm, ich will es bewältigen, abschließen, weitermachen." Und dann würde sie wahrscheinlich die richtigen Sachen sagen und mir dabei helfen. Aber soweit bin ich noch nicht.

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Ich hasse es, dass ich es nicht erwidert hab, als du gesagt hast, ich könne mich jederzeit melden, sollte ich etwas brauchen. Das war nicht mal Absicht. Ich wollte nicht, dass du dich nicht meldest. Ich würde gerne wissen, wie es dir geht. Ich hab in dem Moment einfach nicht daran gedacht. War wohl zu gefühlsüberladen. Du solltest wissen, dass ich immer für dich da bin, aber wahrscheinlich denkst du jetzt, ich brauche Abstand von dir, um von dir loszulassen. Dabei kann nicht mal ich selbst sagen, was ich jetzt brauche.

Ich mache mir Vorwürfe, weil ich es dir in den Mund gelegt hab. Du hattest gar keine andere Wahl. Ich hab dir gesagt "Du willst mich nicht, du empfindest nicht genug, bei einer anderen/ der Richtigen würdest du dieses Ende nicht zulassen." Als ich all diese Dinge gesagt hab, hab ich sie auch so gemeint. Im Nachhinein wurde mir dann leider bewusst, dass das nicht stimmt. Es KÖNNTE natürlich so sein, muss es aber nicht. Aber als wir da so saßen und ich dich angesehen hab, war mir, als hätte ich jetzt die Erleuchtung schlechthin: Du willst mich einfach nicht.

Ich frage mich die ganze Zeit, was du jetzt wohl machst und ob du auch an mich denkst. Und wenn ja, WIE du über mich denkst. Überwiegt wieder die Erleichterung, dass der Druck weg ist oder bist du traurig, dass es vorbei ist? Denkst du überhaupt, dass es vorbei ist? Machst du alles genauso wie vorher? Hast du vor, dich nochmal bei mir zu melden? Ich habe deine Nummer von meinem Handy gelöscht und auch den Gesprächsverlauf. Die Online- Anzeige hab ich deaktiviert, um mich selbst zu schützen. Ich mag nicht zwanghaft tausend Mal am Tag nachschauen können, ob du online warst und wann. Und ich möchte zur Zeit auch nicht, dass du die Möglichkeit hast, meinen Online- Status zu sehen. Ich sperr mich weg. Das ist mein Jalousien- Zumachen. Ich weiß, dass das bescheuert ist. Es bringt mich nicht weiter. Aber das war schon nach jeder unserer Trennungen so. Ich wollte nicht sehen und nicht gesehen werden. Am liebsten würde ich weit wegfahren für eine längere Zeit und alles um mich herum wegschieben. Ich habe ernsthaft darüber nachgedacht. Aber erstens habe ich Kit und Fay, 2. muss ich ja arbeiten und 3. würde ich den gesamten Gedankenscheiß ohnehin mitnehmen. Egal, wie weit ich fahre und wie schön es dort ist.

Die Kathi hat am Ende unseres Treffens gesagt, ich soll mich jetzt mal auf mich selbst konzentrieren. Irgendwas tun, das ich will. Darauf hab ich nicht gleich geantwortet und sie hat mich angesehen und meine Gedanken nachgeäfft: "Aber ich will ja nur ihn!" Wir haben gelacht. Ja, natürlich will ich dich. Mehr als alles andere. Aber wenn man nicht das Eis haben kann, muss man am Stanitzel lutschen. Und ich bin gerade dabei, mir ein Stanitzel zu suchen. Das ist leider nicht so einfach. Ich hab wieder viel übers Texten recherchiert, aber das Kleingedruckte bei sämtlichen Online- Textern ist furchteinflößend. Mein Buch interessiert mich auch schon lange nicht mehr. Ich bin nicht mehr die, die angefangen hat, dieses Buch zu schreiben. Und außerdem wissen wir ja alle, dass ich nicht fähig bin, irgendwas zu Ende zu bringen. Das hab ich der Kathi übrigens auch gesagt. Mit dem Zusatz: "Ach ja, richtig, das können Sie auch gleich notieren." Dazu meinte sie übrigens, dass dafür 1,5 Jahre (die ich mittlerweile an dir dran bin) ganz schön lange sind. Ich sagte ihr, dass mir das nicht entgangen sei. Morgen muss ich arbeiten. Das ist zur Zeit echt wirklich richtig, richtig schwierig. Wir kennen uns alle zu gut, ich MUSS mit den Leuten reden und wenn es jemand ist, der eher Freund als Kollege ist, so wie Hanna, Manu, Marina, Alice …, dann muss ich es erzählen. Und dann kommen immer diese traurigen Mienen und das Mitgefühl. Dagegen hab ich auch prinzipiell nichts, aber man wird halt ständig "beobachtet". Ob ich esse, wie ich dreinschau, wieviel ich rauche, … Und jedes Mal, wenn mein Telefon läutet oder ich eine Nachricht krieg, seh´ ich in erwartungsvolle Gesichter. Und wenn es keine Freundes- Kollegen sind, muss ich mich zusammenreißen, so zu sein wie immer. Weil ich von denen kein Mitleid will. Ich mag das alles nicht mehr. Ich will nicht mehr zur Arbeit, ich will nicht tun, was ich sonst immer mache. Ich will weg und dass alles anders ist.

Heute wurde meine Wohnung gekauft. Er war etwa 75 Jahre alt und hat sich die Wohnung angesehen. In Begleitung von Frau Schindler. Netter, alter Mann. Und die Frau Schindler hat mich als optimale Mieterin dargestellt: ordentlich, verlässlich, … Daher hat sie ihm auch meine Wohnung empfohlen. Als ich den neuen Vertrag unterschrieben hab, hat der Alte gefragt: "Sie wollen doch nicht ausziehen, oder?" Ich: "Momentan hab ich keinen Grund, der mich dazu veranlasst." Er: "Naja, aber wenn Sie zum Beispiel mit Ihrem Freund zusammenziehen möchten …" Frau Schindler: "Das ist ja auch kein Problem. Mit zwei oder drei Kindern wird’s dann vielleicht eng." Das war so … keine Ahnung … arg. Und weil sich der Alte  scheinbar wirklich Sorgen gemacht hat, er müsse sich einen neuen Mieter suchen, hab ich gesagt: "Wir haben uns vor einer Woche getrennt, also wird’s wohl noch dauern …" Da war er gleich still. Nur die Schindler nicht: "Ach, oje, naja, Sie sind ja noch jung. Was glauben Sie, wie oft Sie sich noch trennen werden? Ich bin 52 und hab vor einem Monat geheiratet." Ich: "Oh. Na herzlichen Glückwunsch." "Und Ihnen Glückwunsch zu Wohnung, auf Wiedersehen."

Mein Handydisplay flackert extrem. Manchmal mehr, manchmal so, dass man gar nichts mehr lesen kann. Der Niedermeyer in Stockerau hätt nur ein Uralt- Handy als Leihgerät gehabt ohne Internet und der beim A1- Stand in der Bawag wollte mir gar keins geben. Weil ich's ja nicht dort gekauft hab. Arschlöcher. Ich hoffe, mein Samsung hält noch durch bis nächsten Donnerstag, denn davor hab ich keine Möglichkeit, ins Donauzentrum zu fahren. Dienste, Sonntag is nix, Nachhilfe, … Auf der einen Seite kotzt es mich massiv an, dass momentan ein paar Sachen/ Termine anstehen, auf der anderen Seite würd ich sonst wahrscheinlich eh durchdrehen. Ich denk zwar auch während der Nachhilfe und während der Arbeit über uns nach, aber da vielleicht um ein paar Prozent weniger, als allein zu Haus. Abends ist es immer am Schlimmsten.

Ich bin so gespannt, ob ich mir IRGENDWANN denke, dass es richtig war, dass wir uns getrennt haben. Das ist so unvorstellbar für mich. Es ist weder romantisch, noch naiv, wenn man denkt, dass man die Liebe nicht aufgeben sollte. Das ist ein Gefühl. Und ich liebe dich. Warum also sitze ich hier allein herum und bin unglücklich? Das wird mir nie eingeh'n. Und dann denk ich wieder: Aber wenn wirklich viel Zeit vergeht und ich irgendwann nicht mehr ununterbrochen an dich denke und einsam bin und dann ist da vielleicht einer, der nett zu mir ist und der Zeit mit mir verbringen will, vielleicht kann ich dann wirklich wieder sowas wie eine Beziehung führen. Aber was ist, wenn er mir eine Halskette schenkt? Und ich die von dir dann ja abnehmen "muss"? Und ich werd mir immer die Frage stellen: Was wäre gewesen, wenn ... Und dann will mich der vielleicht heiraten und dann kann ich nicht "Ja" sagen. Weil ich auch in 10 Jahren noch immer wissen werde, dass du der Richtige für mich bist. Mein Seelenverwandter. Der, bei dem ich so vieles gar nicht aussprechen muss. Weil du es auch so weißt. Zermürbeeend!

Warum hast du nicht gesagt: "Bitte geh nicht". ?

Wieso? Wieso? Wieso?

Glaubst du immer noch, ich find "was Besseres"? Also jemanden, der mich glücklicher macht? So wie du, bis ins tiefste Innerste?

Oder war es eher so, dass du dachtest, es wär besser für DICH, es zu lassen?

Bald ist Weihnachten. Das wird hart. Du weißt, wie sehr ich Weihnachten und all das Drumherum liebe. Ich hätt so gern einen picksüßen Punsch mit dir getrunken und eine peinliche Mütze gekauft. Und du hättest mir am Christkindlmarkt handgemachte, rote Holzohrringe in Form von Weihnachtsmützen geschenkt …

Der Straßenmusikant vorm Gasometer war so arg … Ich muss immer wieder daran denken, wie wir das Gebäude verlassen und dann noch eine geraucht haben vor der U- Bahn. Nicht wissend, was nun die richtigen Worte sind, um sich von jemanden zu verabschieden, den man über alles liebt. Es war schon finster, es herrschte reges Treiben zwischen U- Bahn Station und Gasometer. Und mittendrin standen wir. Und haben uns angesehen. Als wär es das erste und das letzte Mal zugleich. Und plötzlich, wie aus dem Nichts, die Gitarre und der Gesang. Bis zu dem Zeitpunkt hatte ich mich wirklich gut im Griff, aber das war dann zu viel. Uns beiden schlief das Gesicht ein, ich stammelte irgendwas "Das darf doch jetzt nicht …", gefolgt von hysterischem Gelächter. Und dann weinte ich doch. Ich bin froh, dass wir uns nochmal umarmt und geküsst haben. Es war eine solche Erleichterung, als du dich zu mir herunter gebeugt hast und ein kalter Schmerz, als du dich wieder von mir gelöst hast. Ich hab mich sicher 10 Minuten lang nicht vom Fleck gerührt, nachdem du gegangen bist. Und die Tränen liefen mir nur so das Gesicht hinunter, während ich hoffe, du kommst die Stufen wieder hinauf gelaufen … Obwohl ich's besser wusste. Aber dieses Ding mit der Hoffnung ist einfach nicht abzudrehen.

Aber wenn ich soweit bin, werd ich die Kathi beauftragen, es zu tun. Mir zu sagen, dass das alles nicht real war, dass ich mich da in etwas hineingestürzt hab. Wenn ich soweit bin …

19.11.15 21:53
 
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