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Brief_10 This never happened before

22.11.2015, 20:21

 

Hi oder goodbye Michael,

 

hatte den ganzen Tag nichts gegessen. Und natürlich auch nichts zu Hause. Also hab ich mir einen Salat bestellt. Erst nach der ca. 15. Gabel hab ich bemerkt, dass etwas mit dem Hühnerfleisch nicht stimmt. Ich hatte so einen Hunger, dass es mir zuerst nicht aufgefallen ist. Wahrscheinlich werde ich also an einer Lebensmittelvergiftung dahinscheiden. Glaube, kaputtes Hühnerfleisch zu essen, ist nicht sooo super. Und das für 10€. Seit ich alleine bestelle, zahle ich natürlich Zustellgebühr … Diskriminierend ist das! Diskriminierend für alle Alleinstehenden! Oder man bestellt und isst das Doppelte. Dann gibt' s keine Extragebühren. Bloß sinkt damit auch wieder die Wahrscheinlichkeit, irgendwann einmal nicht mehr alleinstehend zu sein. Ein Teufelskreis …

Und bevor ich mich von dieser Erde verabschiede, möchte ich dich noch darauf hinweisen, dass es gerade 'Das Haus am See' spielt. Du hast ihn dir damals zu Hause angesehen, während ich Nachtdienst hatte. Ich wusste, er würde dir gefallen. Du mochtest den Soundtrack, weiß ich noch. Und ich liebe die Kussszene bei der Geburtstagsparty. Vielleicht kommt es nachher genau bei dieser Szene zum Ausbruch meiner Salmonelleninfektion … massive Kotzerei, Diarrhoe, Entgleisung meines Elektrolythaushalts, Kreislaufkollaps, Sepsis …  Nein, ist noch zu früh. Aber bei der Wiederholung um 01:49 könnte es schon losgehen … Ich kotze mir die Seele aus dem Leib und Paul McCartney singt "This never happened before" ...

Schau dir das an- die leben in zwei verschiedenen ZEITEN und schaffen es trotzdem, eine Beziehung zu führen. Wir schaffen' s nicht mal in ein und derselben Zeit …

22.11.15 20:44


Brief_09 Ich, das AK und die Bipolarität

22.11.2015, 14:35

 

Guten Morgen Michael,

 

ich sage ja immer, der Schlaf nach dem Nachtdient ist der beste. Heute war dem leider nicht so. Ich bin mit Kopfschmerzen ins Bett gegangen und damit auch wieder aufgewacht. Ist auch nicht weiter verwunderlich. Mir schwirrt einfach permanent irgendwas im Kopf herum. Zu viele Probleme ohne Lösungen. Und du weißt, wie sehr ich das hasse.

Heute Früh nach dem Schichtwechsel hat Marina ihr Herz bei mir ausgeschüttet. Ihre Tochter Elise, der ich seit 2 Monaten Nachhilfe gebe, kommt in Englisch vielleicht nicht durch. Marina wurde bereits in die Schule zitiert. Und nicht nur was die schulischen Leistungen betrifft, dreht Marina langsam durch mit ihr. Elise ist 12 und gibt ihr Bestes, um ihr Umfeld in den Wahnsinn zu treiben. Aber so richtig. Erst, als ich schon zu Hause war, hab ich mich daran zurück erinnert, wie ich selbst war als Kind. Du weißt es ja, aber Marina wusste es nicht und daher hab ich ihr dann noch geschrieben:

… Ich nehm mir nur deswegen raus, so über Elise zu schreiben, weil ich selbst ganz genau so war! Respektlos, interessenlos, obergescheit, frech, zickig, launisch, auf Schule keinen Bock, … In einem Jahr habe ich es sogar so weit gebracht, dass Weihnachten für mich ausfiel. Meine Brüder haben Geschenke ausgepackt, sie haben unter dem Baum gesungen und ich habe NICHTS gekriegt. Auch nicht am nächsten Tag. Oder am übernächsten. Und du kennst meine Mama … Also kannst du dir mich ungefähr vorstellen als pubertierendes G'frast … Und auf die Schule bezogen: Was glaubst du, wie oft ich das selbst gehört hab in meiner "Glanzzeit": "Du bist einfach nur saufaul! Du bist doch nicht dumm!" War mir aber trotzdem egal. So wie alles andere. Außer natürlich die Dinge, die andere hatten und ich nicht. Ein klassisches Arschlochkind halt.

Wahrscheinlich hast du dir schon oft überlegt, ob es an dir liegt bzw. an euch als Eltern. Nein, tut es nicht. Ich war und bin KEIN Einzelkind und ich wurde sicher WESENTLICH strenger erzogen als Elise. Und ich war trotzdem so. Ich überlege die ganze Zeit, ob es damals irgendwas gegeben hätte, das mich 'zur Vernunft' gebracht hätte, aber mir fällt leider nichts ein. Bei 'Liebesentzug' hab ich mich immer bestätigt gefühlt ( "Keiner hat mich lieb; ich bin die Ärmste auf der ganzen Welt" ) und wenn ich tun durfte, was ich wollte, dann hab ich das auch. ( "Hat ja sowieso keine Konsequenz" )  

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Ich hab Marina dann angeboten, Elise öfter zu mir zu schicken. Von mir aus auch 2 oder 3x die Woche.

Schon oft habe ich mich gefragt, warum ich war, wie ich war. Doch wenn man sich schon Gedanken über sich selbst macht, ist es denn dann nicht viel wichtiger, sich damit zu befassen, wie man JETZT gerade ist? Wer man heute ist?

Deine Bipolare Störung gaukelt dir immer noch vor, du wärst wie früher. Als es dir wirklich, wirklich dreckig ging. Als du nicht mehr wolltest, keinen Ausweg mehr gesehen hast. Und sobald die kleinste Unstimmigkeit auftrat die letzten 1,5 Jahre, hast du für diesen Moment vergessen, was bereits "aus dir geworden ist". Du hast es nicht mehr gesehen. Nur wieder genau den Typen, der mit den Menschen rundherum nichts anzufangen weiß, der sich gerne isoliert, der "nichts kann". Egal, wie viel du geschafft hast und wie sehr du dich weiter entwickelt hast die letzten Monate- lief es mal nicht zu 100% rund, hast du dich wieder so sehr in deine Selbstzweifel verstrickt, unsere Beziehung angezweifelt, ob du das kannst, ob du mir je gerecht werden könntest, mich je verdienen würdest, …

Ich kann gar nicht mehr zählen, wie oft ich versucht habe, es dir zu erklären. Tausend Mal? Zehntausend Male? Aber deine Seele lebt in der Vergangenheit. Und manchmal hatte ich den Eindruck, sie fühle sich dort wohl. Selbst wenn diese Zeit deines Lebens gar keine "Lebenszeit" war, so fühlt es sich für dich dennoch immer noch wie Heimat an. Und umgekehrt: Egal, wie viel Liebe wir uns gegenseitig geschenkt haben, wie oft wir  zusammen über irgendeinen Blödsinn gelacht und  Schönes erlebt haben- irgendwie fühlte es sich für dich trotzdem fremd an.

Das zu wissen hat mich nicht erst einmal sehr, sehr traurig gestimmt. Weil ich es nie zu 100% verstehen werde. Mein Verstand schon, mein Herz jedoch niemals.

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Unser Mandela ... 

22.11.15 16:22


Brief_08 Die Pathologie der Hoffnung

22.11.2015, 03:33

 

Lieber Michael,

 

2 Wochen und ein paar Stunden ist es nun bereits her, dass ich dich zuletzt gesehen habe. Es kommt mir wie eine Ewigkeit vor. Ich bin gerade im Nachtdienst (mit Hanna) und es ist ein wenig Ruhe eingekehrt. Am Abend hat mich eine Patientin wegen ihrer Befunde angesprochen. Nachdem, was in ihren Unterlagen steht, scheinen ihre Symptome wohl am ehesten zu Panikattacken zu passen. Als Krankenschwester bin ich natürlich nicht in der Position, Diagnosen stellen, was ich ihr auch gesagt habe. Doch sie sprang gleich darauf an und erzählte mir von ihrer furchtbaren Arbeitsstelle, dem Stress zu Hause, ( Kinder, Hausarbeit, ... ) niemals würde sie zur Ruhe kommen. Ich blieb ein bisschen an ihrem Bett stehen und habe versucht, sie zu ermutigen. "Sie wurden gekündigt, weil sie 3 Tage im Krankenstand waren? Zeit für einen Neuanfang! Vielleicht war diese Panikattacke das Beste, das Ihnen hätte passieren können …" Man ist immer so super gescheit, wenn es nicht um einen selbst geht. So weise. So optimistisch. Aber was auch immer sie jetzt tun wird; für den Moment hat sie sich sichtlich besser gefühlt. Die beiden anderen Patientinnen im Zimmer haben auch das Ihre dazugetan: "Ja, genau!", "Hör auf die Schwester!" Ja, manchmal haben wir auch nette Patienten, die einen nicht gleich um 7 Uhr morgens anschreien, weil die Handtücher nicht flauschig genug sind …

Gestern, bevor ich dir geschrieben habe und dabei in Erinnerungen schwelgte, war ich in Wien mein Handy holen. Zwischen dem Austausch des Leihhandys und meinem eigenen vergingen in etwa 15 Minuten. Und ich dachte nur: Hoffentlich schreibt er mir nicht genau jetzt. Ich bin so dumm! Hab ich schon mal erwähnt, dass Hoffnung, wenn es keine Hoffnung gibt, wider der Natur ist? Der Körper tut alles, um Böses abzuwehren: Er bildet Antikörper, signalisiert Schmerz, wir haben ein Gedächtnis, das uns davor bewahrt, 2x auf eine heiße Herdplatte zu fassen … Aber mir Hoffnung zu signalisieren, wenn es gar keine gibt, ist doch schädlich. Es hindert mich und meine Seele am Heilungsprozess. Ich KANN mich gar nicht selbst heilen, solange ich immer noch hoffe. Wozu soll das gut sein? Mein Verstand WEISS doch, dass es nicht mehr wird. Warum also redet mein Herz so sehr dagegen? Um mich noch kaputter zu machen? Oder weiß mein Verstand überhaupt nichts? Ist etwa noch Hoffnung da? Wirst du irgendwann verstehen, was ich dir immer und immer wieder gesagt habe? Dass ich keinen "Besseren" will? Dass DU es bist, dem ich mein Herz geschenkt hab? Dass keine deiner (nur in deinen Augen vorhandenen) Unzulänglichkeiten irgendetwas an meinen Gefühlen zu dir ändert? Ich WILL keinen Vorgarten! Ich WILL keinen Mann mit Aktentasche, Krawatte und einem Business Plan! Ich will dich! Deine Einzigartigkeit, dein großes Herz, deinen großen Penis , deine Pedanterie, die Art, wie du mir abends vor dem Fernseher durch die Haare fährst, deinen schwarzen Humor, deine Tiefe, …

Ich liebe es, wie du meinen verrückten Kit in einem Korb sitzend durch die Gegend getragen hast, weil du weißt, wie gerne er fliegen würde. Ich liebe es, dir zuzusehen, wie unhandlich du dir deine Zähne putzt. Und ich liebe es, dich dabei zu beobachten, wenn du dir mit gerunzelter Stirn und ängstlichen Augen einen mikroskopisch kleinen Holzspan aus deinem Finger ziehst.

Kaum einer glaubt noch daran, dass du es irgendwann begreifen und dich bei mir melden wirst. Die wenigsten sprechen es aus, aber ich weiß es. Von guten Zusprüchen, wie es sie bei unseren vorangegangen Krisen gab, höre ich nichts mehr …

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22.11.15 15:10


Brief_07 Erinnerungen und Sex

20.11.2015, 15:48

 

Hallo Michael,

 

fast überall hängt schon leuchtende Weihnachtsdeko und da musste ich an letztes Jahr denken. Unser erstes und wohl auch letztes gemeinsames Weihnachten. Du hast auf jedes einzelne Päckchen kleine Karten gehängt mit Hinweisen auf den Inhalt. Und das in Form von Zitaten. Und jedes einzelne Zitat war so gut ausgewählt, das es zum Geschenk gepasst hat, ich vor dem Auspacken aber trotzdem nicht draufgekommen bin. Das Highlight hast du mir erst gegeben, als wir spätabends bei mir zu Hause alleine waren. Das Geschenk im Geschenk im Geschenk: Ein kleines, ovales Päckchen in Weihnachtspapier, darin ein Schoko- Überraschungsei, darin ein gelbes Plastik- Ei, darin ein Stück Weihnachts- Serviette und darin eine wunderschöne Silberkette mit einem kleinen Herzanhänger.

Im Sommer darauf habe ich bemerkt, dass sich 2 kleine Steinchen auf dem Herz verfärbt hatten und sie daher nicht mehr glänzten. Unzählige Male hab ich zu dir gesagt: "Okay, ich geb sie dir mit, aber wehe, du bringst mir nicht genau diese Kette wieder! Ich will keine andere. Ich will diese!" Und dann bist du mit der Gleichen zurückgekommen. Nicht mit der Selben. Natürlich ist es eigentlich egal, aber in dem Moment war ich wirklich stocksauer! In der Arbeit haben sie mich auch ausgelacht, weil ich mich so echauffiert habe

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Ich liebe diese Kette und ich kann mir nicht vorstellen, sie jemals abzunehmen. Also für immer. War schon schlimm genug, als ich sie beim Röntgen ablegen musste …  Was mich wiederum daran erinnert, wie mir beim Abwaschen das Glas zerbrochen ist und mir ein Stück davon tief in die Hand schnitt. Unser freier Tag. Du hast nicht eine Sekunde gemeckert, mich ins Auto gepackt und bist mit mir ins Krankenhaus gefahren. Und als es dann "nicht mal" genäht werden musste, sondern einfach nur Steri Strips draufgeklebt wurden, hatten wir unseren neuen Running Gag. Bei jeder kleinen Verletzung hast du gefragt: "Um Gottes Willen! Müssen wir schon wieder ins Krankenhaus?" An dieser Stelle merke ich nochmals an: Hätte der Arzt nicht schon Hunger gehabt und mich einfach abgefertigt, hätte ich jetzt eine viel schönere und dünnere Narbe unterhalb meines Daumens. Jeder Arzt von meiner Station hätte das genäht. Sie haben ja das Foto gesehen. Wie auch immer … ich werde jedenfalls für immer an diesen Tag denken, wenn ich meine Narbe sehe. Wie wir danach frühstücken gefahren sind und shoppen waren …

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Am Wochenende darauf hast du mich das erste Mal mit zu deiner Familie ins Burgenland genommen. Gott, ich hab mich so angeschissen! Erster Freund, erste Beziehung, erstes Mal Familie des Anderen kennen lernen … ! Und dann gleich ein ganzes Wochenende! Grotesk, wenn man deine Familie erst mal kennt: Die Bilderbuch- Oma, die gut und immer zu viel kocht, der Opa, der aussieht, wie der Weihnachtsmann, die etwas schrille Tante, mit der man aber über alles reden kann … Fast hätten sie mich beim Gehen gestützt, wegen dem kleinen Verband auf der Hand So unglaublich liebe Menschen. Ich hatte weder an diesem noch an all den darauffolgenden Wochenenden auch nur für eine Sekunde das Gefühl, fremd zu sein.  

Seit das mit uns passiert ist, weiß ich erst, was das bedeutet: "Ist die Beziehung vorbei, verlierst du auch eine ganze Familie". Ein Glück nur, dass wir nicht auch gemeinsame Freunde hatten …

Wenn ich abends ins Bett geh und mich zudecke, fehlt mir dein Arm immer so sehr. Kaum lag ich auf der Seite, lagst du hinter mir, dein Bein zwischen meinen Beinen, dein Arm um meinen Oberkörper. Das vermisse ich wirklich. Seit du weg bist, schläft Kit auf mir. Mit seinem vollen Gewicht. Gut, er ist "nur" ein Kater, aber du kennst ihn ja … ein kleines Fitness- Programm würde ihm nicht schaden. Und Fay, die ich nicht mal spüren würde, wenn sie sich auf mich legt, schläft lieber neben meinem Kopf. Jetzt bin ich die Katzenfrau … die 30jährige mit den Katzen … die 30jährige, die keinen SEX mehr hat! Mann, wie lange ist das jetzt her bitte? 1 Monat? EINEN MONAT!

Ich bin zwar gerade ein bisschen sentimental, schwelge in Erinnerungen usw., aber jetzt über unseren Sex nachzudenken, wäre unter diesen Umständen eher kontraproduktiv.

Zu spät.

Erinnerst du dich an den 1.1.2015? Natürlich tust du das. Zuerst die Silvesterparty bei dir auf der Terrasse im 11. Stock, dann nach Hause zu mir. Wir waren beide geil aufeinander, obwohl wir schon so müde waren und schliefen miteinander. Bis ich plötzlich dachte: "Oh mein Gott, was geht da ab?" Etwas mir bisher Unbekanntes tat sich auf. Baute sich auf, bäumte sich auf. Und ich brachte es nur noch in einer Art keuchenden Flüsterton zustande: "Hör jetzt ja nicht auf!" Ein paar Sekunden später hatte ich meinen ersten Orgasmus während dem Sex. Ohne Lecken, ohne Fingerarbeit, ohne sonstiger Mumu- Manipulation. Einfach beim Vögeln. Oh Gott, und es war so, so, sooo gut! Mein 1. Mal! Und du wusstest, dass es für mich davor noch nie bei irgendjemandem funktioniert hatte beim Ficken. Wir haben so gekeucht und ich war so fertig und kaputt und gelöst und alles zusammen. Bis du schließlich von mir herunter gerollt bist. Du hast dich auf den Rücken gelegt, die Arme seitlich weggestreckt und plötzlich ganz laut gerufen "Iiiiiiich habe Feuer gemacht!". Wie Tom Hanks in "Cast away". Ich hab so einen Lachanfall gekriegt!

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Als wir später eine rauchen waren, sagte ich noch zu dir, wir dürften uns jetzt nicht zu viel erwarten, also dass es wahrscheinlich eher ein einmaliger Glücksfall war. Zum Glück behielt ich Unrecht und ich wurde zur Multiorgasmus- Frau. Also was diesen Bereich unserer Beziehung anbelangt, waren wir uns mehr als einig. Ich vermisse dich und deinen Penis. Und ich weiß, du vermisst meine Mumu. Du hast sie geliebt. Und sie dich. Du hast mir so oft einfach zwischen die Beine gefasst und mich gestreichelt. Einfach, wenn dir gerade danach war. Weißt du noch, als du mich beim Einkaufen umarmt und plötzlich deine Hand zwischen meine Beine geschoben hast? Die Verkäuferin hat mir direkt in die Augen gesehen. Aber das hab ich dir ja mehrfach heimgezahlt

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Verdammt. Und jetzt sitze ich da. Freitag Abend. Es schüttet unentwegt. Ich will dich. Ich will Sex mit dir. Ich will von dir angesehen werden, als wäre ich das Größte für dich, so wie du es immer getan hast. Ich will unter die Dusche gehen und dass du dich auf den Fliesenboden setzt und mir andächtig dabei zusiehst. Und wenn dir danach ist, kommst du zu mir unter die warme Brause, sodass ich deinen harten Schwanz auf meinem Bauch spüren kann. Ich will, dass du mein Gesicht in beide Hände nimmst und mich küsst mit deinen unglaublich weichen Lippen, die zugleich auch rau sind. Sodass mir schwindelig wird. Ich will albern sein mit dir, über irgendeinen Blödsinn kichern, über Lappalien streiten und anschließend Sex auf dem Fußboden haben. Deine Hure und deine Prinzessin sein …  Ich vermisse das alles so sehr.  

Ich vermisse dich.

20.11.15 17:10


Die Bipolare Störung und unsre Beziehung ...

 

Dies ist der letzte Abschnitt meiner Zusammenfassung für Kathi, die Psychotherapeutin. Der für mich momentan Wichtigste von allen:

 

Meine Beziehung mit Michael

 

Wir haben uns übers Internet kennen gelernt. Sein Profil war dermaßen schräg, dass ich ihm einfach schreiben musste. Fernab von 08/15, kein Anpreisen seiner Selbst, super Humor, ironisch, …

Bereits 2x vor unserem tatsächlichen 1. Treffen hat er mir abgesagt. Er hat mir dann auch geschrieben, dass bei ihm vor Jahren mal eine Bipolare Störung diagnostiziert wurde, er Einzelgänger ist, soziophob … War mir egal. So wie er schrieb, musste ich ihn unbedingt kennen lernen. Unser 1. Treffen war unglaublich. Ich hatte das Gefühl, als hätte er sich ewig mit niemandem unterhalten, (also so richtig) doch durch meine eigene Offenheit fing dann auch er an, über sich zu erzählen. Ich habe Michael bei unserem allerersten Treffen Dinge erzählt, die nicht mal mir sehr nahestehende Menschen wissen. Wichtige Dinge, ernste Dinge, sehr, sehr intime Dinge. Es war, als könne er in mich hineinsehen, ich musste mich nicht erklären und er sich ebenso wenig. Wir haben unglaublich viel geredet und gelacht … ich war mehr als fasziniert. Intelligent, groß, sein Herz noch größer, alles war so absolut tabulos. Mir entging nicht, dass er mich auch zu mögen schien und sich mit mir wohl fühlte. Ein paar Tage darauf lud ich ihn zu mir nach Hause ein. Es war lustig, wir kamen uns näher … Danach haben wir uns ca. 1 Monat nicht gesehen. Er hatte eine kleine OP im Gesicht und wollte nicht, dass ich ihn so "entstellt" sehe. Auch wenn ich 1000x geschrieben und gesagt habe, dass es mir egal ist.

So hat es angefangen und  genau so hat es nun wieder mal geendet. Mit Selbstzweifeln. Wir hatten zahlreiche Auf und Ab´s, wir lernten und näher kennen und lieben, haben unsre Familien kennen gelernt, waren zusammen auf Urlaub … Das erste halbe Jahr wollte er es immer wieder beenden, weil er "nicht gut für mich" sei, weil ich "viel besser als er" wäre. "Bitte such dir jemanden, der dich verdient." Unzählige seiner Eigenheiten, die sich bei ihm in den letzten Jahren manifestiert hatten, haben wir zusammen bewältigt. Sein Problem damit, Verantwortung zu übernehmen, ("Kannst du mal kurz mit den Katzen auf dem Balkon warten, während ich aufwasche? "Nein, ich wasch auf, geh du lieber mit den Katzen raus."- aus Angst, den Katzen könne in den paar Min. irgendwas passieren.) sein Druck, es mir recht zu machen, … Er konnte nicht mal in ein Einkaufszentrum gehen. Letztes Weihnachten haben wir das Donauzentrum unsicher gemacht. Mitte Dezember! Er hat mir Geschenke besorgt, obwohl er davor panische Angst hatte, mir würde nicht gefallen, was er mir schenkt. Er hat seine Freizeit die letzten Jahre damit zugebracht, seine Jalousien im Wohnzimmer zuzudrehen, den Fernseher einzuschalten und jegliche Gedanken, die ihn selbst betreffen, zu verdrängen. Ab und zu hatte er Affären mit Frauen, die nichts von ihm erwarteten. Seine Familie behandelt ihn nach wie vor wie ein rohes Ei, was längst nicht mehr notwendig wäre. Er hatte einen starren Alltag. Hat ihn etwas beschäftigt, hat er sich hingelegt und geschlafen. Weil er die letzten Jahre gelernt hat, dass ihm das hilft, weiter zu machen. Das war anfangs auch zwischen uns beiden so. Oft hat er mitten in einer Diskussion gesagt "Ich leg jetzt auf und leg mich hin.". So hat er "überlebt". In seiner schwärzesten Phase vor meiner Zeit hatte er Suizidgedanken. Einmal wollte er es auch wirklich tun, saß stundenlang auf seiner Terrasse im 11. Stock und wollte springen. Davon weiß nur die Schwester seiner Mutter. Er war 2 Jahre lang bei verschiedenen Psychotherapeuten, doch die haben ihm laut seiner Aussage nicht geholfen. Auch die Medikamente nicht. Also hat er seine eigene "Überlebensstrategie" entwickelt. Und die bedeutete monotones Dahinleben und sich in sein "Leo", sprich sein Wohnzimmer, zu verkriechen. Über seine psychische Vorgeschichte weiß ich nicht sehr viel, da er natürlich nie darüber reden wollte. Das kam immer nur kurz zur Sprache, wenn wir in unserer Beziehung wieder mal anstanden. Was ich weiß, ist, dass er in der Schulzeit immer eher der Klassenkasperl war. Bei seiner vorigen Arbeitsstelle war er montags bis mittwochs nicht auszuhalten, weil er so mies drauf war, donnerstags und freitags massiv überdreht, sodass er darauf angesprochen wurde. Dann weiß ich, dass er früher leidenschaftlich gern Basketball gespielt hat. Eines Tages kams zur einer sehr schweren Knieverletzung , Liegegips, angewiesen sein auf seine damalige Freundin, die ihm aber nicht die Stütze war, die er gebraucht hätte. Er konnte sich körperlich sehr lange Zeit nicht auspowern (was ihm damals vlt. mehr Stabilität gab, als er wusste) und wurde depressiv. Die Beziehung mit seiner Freundin wurde beiderseits beendet. (7 Jahre inkl. Zusammenwohnen) Er brach den Kontakt zu sämtlichen Freunden und auch zur Familie ab. Irgendwann der Suizidversuch, irgendwann die 2 Jahre Therapie. Die letzten 4 oder 5 Jahre (?) Monotonie und Affären. Auch mit seiner Ex- Freundin Lena. Mittlerweile sehr gutes Verhältnis zur Mutter und deren Lebenspartner.

Seit Michael und ich uns regelmäßig sehen und treffen, hat sich viel für ihn (und auch mich) verändert. Zum Teil hat er riesige Schritte gemacht. Seine Familie behandelt mich wie eine Heilige, weil sie wohl nicht mehr dachten, dass Michael es "noch mal schaffen" könnte. Alles sehr, sehr liebe Menschen.

Michael hat heuer eine Überraschungsparty für mich organisiert- mit Leuten, die er nicht kennt, Kontakt aufgenommen, den Druck auf sich genommen, dass ich oder sonst jemand enttäuscht sein könnte. Er ist von sich aus neue Kleidung shoppen gegangen, hat Altes entsorgt (was ihm immer massiv schwer fiel), er hat Änderungen zugelassen, sich Dinge zugetraut und gemacht, wovon er sehr oft gesagt hat, er hätte nie gedacht, dass er sowas nochmal tun würde. Er hat plötzlich wieder Menschen gesehen, die Gutes tun und nicht nur "asoziale Arschlöcher". Er hasst Ungerechtigkeiten genauso wie ich. Kann jetzt aber besser mit solchen Situationen umgehen. Körperliche "Beschwerden" (ein eingewachsenes Haar) haben ihn mal fertig gemacht. Mittlerweile hat er sich selbst dabei ausgelacht, wenn er sich dabei ertappt hat.

Und was mich selbst betrifft, hat er ebenso viel bewirkt. Ich hatte in unserer gemeinsamen Zeit gar keinen Platz für Stolz, sonst hätten wir uns nicht mal 3x getroffen. Ich wurde geduldiger, weniger stur. Ich konnte das erste Mal in meinem Leben wirklich Ich selbst sein. Michael hat meine grauen Haare gefärbt, Pickel ausgedrückt, … So etwas hätte ich in tausend Jahren von niemand anderem machen lassen, weil ich ja immer "perfekt" sein wollte. Ich kann mit ihm über Dinge reden, die sonst niemand versteht und sagen "Ist ja jetzt auch nicht so wichtig."

Vor einem Monat sind wir endlich zusammen gezogen. Die Fahrerei war oft Streitthema und es war einfach mühsam. Michael zog zu mir, behielt aber seine Wohnung. Wir haben gesagt, wir probieren es einfach mal 2 Monate aus. 10 Tage nach seinem Einzug (wir waren gleichermaßen euphorisch) fing er an mit "es fühlt sich seltsam an …". Am Tag drauf haben wir darüber gelacht, ist doch klar, dass man sich nach so kurzer Zeit nicht Zu Hause fühlen kann. Ich hab nochmal Möbel umgestellt, damit er einen eigenen Rückzugsbereich hat, wenn ich z.B. Nachhilfe gebe. Ich habe ihm außerdem 1000x versichert, dass es okay ist, wenn er sich mal zurückzieht und schlafen geht. 2 Tage danach hat er seine Sachen gepackt und ist wieder ausgezogen.

Nach seinem Auszug haben wir uns dann noch 3x getroffen. Ich wusste, dass ich nicht mehr so weitermachen will wie vorher. Ständig Hin und Her zu fahren, die ewigen Diskussionen, … Abgesehen davon, dass er, sobald er zu Hause/ in seinem Leo ist, wieder pessimistischer wird, auch was uns beide betrifft ( "Ich kann das alles nicht, ich kann sie nicht glücklich machen" )und ich "muss" das dann bei jedem Treffen wieder aufräumen. Ich habe ihm unzählige Vorschläge gemacht, wie wir es in Zukunft besser machen könnten. Und beim letzten Treffen war er auch ganz "klar". Keine depressive Verstimmung, falsche Wahrnehmung … Dennoch meinte er "Das ist momentan alles so viel. Ich kann zur Zeit nicht mit dir zusammenziehen." Und da dachte ich "Das ist doch jetzt aber kein psychische Problem. Ich bin es ihm einfach nicht wert, nicht zu jeder Zeit des Tages nicht das tun zu können, was er gerade möchte". Sei es schlafen, fernsehen oder Play Station zu spielen.

Also habe ich gesagt, dass es unter diesen Umständen keinen Sinn macht. Etwas nicht zu können oder nicht zu wollen, ist ein riesiger Unterschied. Ich weiß, dass er mich mehr liebt, als alles andere. Und ich liebe ihn. Und das macht es mir so schwer, hier einen Abschluss zu finden. Ich kann mir nicht vorstellen, irgendwann aufzuhören, zu hoffen, er würde mich über sein "Leo" stellen. V.a. weil er auch alles, was ich zu ihm sage, genauso sieht. Er sagt immer "Ich weiß, dass du recht hast. Trotzdem …"

Ich weiß, dass ich das zwischen uns noch auf lange Zeit hätte hinauszögern können. Wir hätten einfach so weitergemacht wie vorher. Er besucht mich, ich besuche ihn, er kommt nicht, wenn er grade "nicht kann". Aber ich weiß auch, dass der entscheidende Moment nur der sein kann, wenn ER sich dazu entschließt, etwas zu ändern. Und egal, wie weit wir es geschafft haben, wie viel wir zusammen verändert haben, seine Selbstzweifel, die Angst zu enttäuschen und v.a. seine Angst, die Kontrolle zu verlieren, wenn er sich nicht in sein Leo flüchten kann, kann ich ihm nicht nehmen. Das ist sein Part. Aber den ignoriert er. Auch wenn er weiß, dass er mich dadurch verliert.

20.11.15 00:07


Bisheriges Liebesleben od Affärenleben ... je nachdem

 

Auch dieser Text stammt aus meiner Zusammenfassung für die Psychotherapeutin Kathi:

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e, Bisheriges Liebesleben 

Vor Michael hab ich nur ein einziges Mal etwas "Beziehungsähnliches" zugelassen. Das lief 10 Monate. Danach ist er zurück nach Deutschland gegangen. Den Grund, warum ich es davor mit allen immer auf nur ein paar wenige Treffen beschränkt habe, weiß ich nicht. Dafür hatte ich schon zahlreiche Theorien. Vielleicht, weil mich jeder Typ durch meine "Ich bin genau die Richtige für dich"- Art immer von vornherein auf ein derartiges Podest hebt, sodass ich eigentlich nur enttäuschen kann. Vielleicht war ich auch einfach nie soweit. Außerdem fühle ich mich nur zu sehr wenigen Männern so richtig hingezogen. Die meisten langweilen mich. Ich habe mich schon mehrmals auf div. Internetseiten registriert. Nachrichten wie "Hallo, wie geht’s? Ich heiße …, komme aus … vielleicht können wir …" habe ich nicht mal zu Ende gelesen. Ich brauche was "Besonderes" bzw. jemanden, der mich wirklich KENNT. Beim Wort "Alltag" kriege ich Gänsehaut und wenn ich vor der Zeit mit Michael sowas gehört habe wie "Spieleabend" zog es mir den Magen zusammen. Meine Panik vor Alltag liegt wahrscheinlich auch daran, dass ich eben immer schon sehr an Menschen im Allgemeinen und deren Miteinander interessiert war und ich dadurch viel zu viel mitgekriegt hab, wie es eben läuft in den meisten Beziehungen. Viele meiner Kolleginnen und Freundinnen sind froh, wenn er mal weg ist übers Wochenende. Sie haben keine Lust auf Sex. Sie nehmen nicht ihr Handy in die Hand und rufen ihn einfach mal an. Weil er "sowieso immer da" ist. Bekannte reden über ihre Freundinnen, als wären sie Aufpasserinnen. Sie hassen deren Geburtstage, weil ihnen nichts einfällt, das sie ihnen schenken könnten. Sie liegen beim Fernsehen abends nicht mal mehr nebeneinander. Und ich wollte mir einfach nicht vorstellen, dass ich irgendwann nackt durchs Zimmer gehe und mein Freund das nicht mal mehr registriert. Weil er ja schon alles kennt … Natürlich gibt es bei meinen Bekannten auch Ausnahmen. Aber die sind in der eindeutigen Minderheit. Und ich weiß auch, dass nicht immer alles spannend, interessant und auf ewig was Besonderes sein kann. Aber wenn einem Mann schon beim 1. Treffen nichts Besseres einfällt als mir seine Vorzüge aufzuzählen und bereits eine fixe Vorstellung von Kinderanzahl und Wohnsituation hat, dann ist der Reiz für mich dahin. Ganz generell hat es keinen Reiz für mich, zu wissen, dass mir jemand "verfallen" ist. V.a. ohne mich zu kennen. Ich brauche Tiefe.

19.11.15 23:54


Ich bin ich und ich bin ...

 

Diese Infos hatte ich eigentlich für meine erste Therapiestunde am 11.11.15 zusammengeschrieben.

Hier ein Auszug:

 

d, Meine Person, allgemein

Ich nehme einmal an, dass ich aufgrund dieses Familienhintergrundes zu genau diesem Menschen geworden bin: Ich hasse nichts mehr, als Totschweigen und Dinge zu übergehen. Ich hasse es, zu streiten und anschließend so zu tun, als wäre wieder alles gut. Ich mag es nicht, wenn in der Arbeit 3 Leute zusammensitzen und sich das Maul über jemanden zerreißen, weil er etwas falsch gemacht hat oder er eine seltsame Eigenart hat. Ich denke und sage dann immer "Herrgott, dann geh doch zu ihm hin und sag es ihm. Wie soll er es denn besser machen, wenn er gar nicht weiß, dass andere Leute sich daran stören?!" Was nicht heißt, dass ICH das immer schaffe. Aber ich bin zumindest diplomatisch genug, um es durch die Blume sagen zu können oder so direkt, dass es in dem Moment schon wieder lustig ist. Umgekehrt gehöre ich auch zu den Menschen, die sehr gerne Positives erwähnen. Wenn mir ein Haarschnitt gefällt, ein Pullover oder die Art, wie jemand etwas macht.

 

                Positives

  • kritikfähig

  • gute Manieren

  • anpassungsfähig

  • gesellschaftsfähig

  • spontan

  • tolerant

  • offen für Neues

  • empathisch

  • (nicht übertrieben) ehrgeizig

  • ich gebe Fehler offen zu

  • ich kann Dinge gut erklären (gebe nebenbei ein bisschen Nachhilfe)

  • freundlich

  • wortwitzig

  • selbständig

  • zugänglich

  • großzügig

  • fair

  • dankbar

  • selbstreflektiert

  • originell/ kreativ

     

     

     

                Negatives

  • sehr stolz

  • ungeduldig

  • launisch

  • pedantisch

  • sarkastisch

  • eitel (aber nicht arrogant)

  • ich bringe nie etwas zu Ende, das mich selbst betrifft (mein Interesse bzw. meine Begeisterung für etwas, gehen leider genauso schnell, wie sie gekommen sind)

  • Ich kann Dinge mit der "Begründung" "weil es eben so ist" nicht akzeptieren

  • altklug? Ich glaube oft, meine Art und Weise, etwas anzugehen, ist die einzig Richtige. ( Vielleicht leben manche Menschen ja gern in Monotonie und brauchen meine "Ratschläge" gar nicht ...  )

  • schusselig. Ohne meinen zahlreichen Listen wäre ich ein wandelndes Chaos (das war schon immer so)

  • Ich will oft gar keine Nachrichten schauen, weil mich die Realität traurig und oder sehr grantig macht. Daher wahrscheinlich auch meine schlechte Allgemeinbildung. (Und weil ich mir viele Dinge eben schlecht merke- daher die Listen) Ich kann nicht mal "Ups, die Pannenshow" schauen, weil mir jede "Panne" selbst weh tut. Abgesehen davon, dass ich es auch nicht mal ansatzweise lustig finde.

  • stimmungsabhängig: melodramatisch, unzufrieden, schnell "eingeschnappt", übersensibel


Ps: Den Punkt c, Familienhintergrund habe ich absichtlich ausgelassen. Ist jetzt auch nicht sooo interessant. Dachte nur, die Kathi will sowas vielleicht auch wissen.

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19.11.15 23:34


Brief_06 Horror- Date, das keins war

19.11.2015, 12:52

 

Michael,

 

komme grade zurück von meiner 2. Therapiesitzung bei Kathi. Es war ein gutes Gespräch. Und ich war auch dieses Mal verwundert, wie lange eine Stunde dauern kann. Ohne Schweigepausen. Irgendwie scheint die Zeit in einem Psychotherapie- Zimmer langsamer zu gehen.

Der gestrige Tag war seltsam. Ich bin nach dem Nachtdienst noch mit Hanna einkaufen gegangen. Mein erster richtiger Lebensmitteleinkauf seit dem, den wir zusammen gemacht haben vor ein paar Wochen. Außer einem Stückchen Butter, das schon komplett gelb umrandet war, hatte ich gar nichts mehr zu Hause. Also abgesehen von Kaffeekapseln und Milch natürlich- der Hauptbestandteil meiner "Ernährung". Da fällt mir ein: Seit ich nach deinem Auszug diesen Nachtdienst mit Marina hatte in dem ich fast unentwegt geheult hab, (selbst während der Dienstübergabe, was wirklich ziemlich peinlich war!) schreibt sie mir immer wieder, wie es mir geht. Vor allem die paar Tage danach hat sie nicht locker gelassen. Und einmal hat sie geschrieben: "Mhm, ich kenn dich ja: Kaffee und Tschick und sonst gar nix!" Und sie hatte recht.

Nachdem ich mit Hanna einkaufen war, bin ich nach Hause und hab mich gleich hingelegt. Der Schlaf nach den Nachtdiensten ist immer der Beste! Und als ich dann am Nachmittag aufgestanden bin, war ich so dermaßen emotionslos, dass es mir direkt Angst gemacht hat. Ich habe angefangen, alles zwischen uns anzuzweifeln; meine Gefühle zu dir, meine Überzeugung, wir wären füreinander geschaffen, einfach alles. Ich habe mich wirklich gefragt, ob ich das mit uns überhaupt noch will. Das hat mich fertig gemacht. Denn ich weiß: Wenn auch ich anfange, uns in Frage zu stellen, dann haben wir verloren. Dass DU es tust, wissen wir ja. Und ich war unser Stützpfeiler. Gestern hab ich plötzlich angefangen, mich zu fragen, ob ich dich nicht doch einfach "therapieren" wollte. Ob ich "die Eine" sein wollte, die es schafft, dich "wieder her zu stellen". Diese Gedanken finde ich einfach schrecklich. Wenn es so wäre, würde das nämlich bedeuten, dass ich mir 1,5 Jahre etwas so dermaßen überzeugend eingeredet habe, dass alles bloß eine fette Lüge war. Ein Hirngespinst, eine Fantasie und keine Liebe. Und es würde auch bedeuten, dass ich es vielleicht, hätten wir das Schlimmste überstanden und eine richtige Beziehung unter einem Dach geführt und ich hätte irgendwann gespürt, dass du dich zu 100% für ein Leben mit mir entschieden hast, vielleicht gar nicht mehr gewollt hätte. Weil das mein Ziel war. Da habe ich mich als Mensch sowie meine eigene Beziehungsfähigkeit heftig in Frage gestellt. Immerhin bist du der Erste, mit dem ich eine ernsthafte Beziehung geführt habe. Der Erste, mit dem ich eine ernsthafte Beziehung WOLLTE. Unbedingt. Und zwar von Anfang an. Doch wenn das alles bloß Handlungen waren, entstanden durch meinen verinnerlichten Trieb, alles und jeden verbessern zu wollen, das Beste herauszuholen, Schlechtes ins Gutes zu verwandeln, wo steh ich denn dann auf der Beziehungsfähigkeits- Skala? Wieder bei 0? So wie vor deiner Zeit?

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Doch dann, gestern Abend, hab ich mir einen seichten Liebesfilm mit Drew Barrymore angeschaut. Ich wusste nicht, was ich sonst tun sollte und Kathi hatte ja gesagt, ich solle etwas für mich tun. Also dachte ich, ich mache es mir gemütlich. Und dann hat Drew diesen Kuss beschrieben, den sie sich so sehr wünscht. Von dieser einen Person, von der man weiß, dass sie die Richtige für einen ist und dass man den Rest seines Lebens mit ihr verbringen will. Der Kuss, bei dem alles rundherum leise wird man einfach nur diesen Moment genießt, in dem man sich so sicher fühlt und zu Hause.

Und ich hab mich mit dir zu Hause gefühlt. Egal, wo wir waren. Ich werde nie vergessen, wie ich das erste Mal mit zu dir gekommen bin. Nach unserem Horror- Date, bei dem du mich nicht mehr ansehen konntest und weglaufen wolltest. Wir haben danach noch sehr oft darüber gelacht. Zuerst war alles lustig, wir haben in ein paar Geschäfte geschaut und sind rumspaziert. Und als wir dann plötzlich im Cafe auf der Mariahilferstraße saßen, warst du wie versteinert. Ich erinnere mich daran, wie ich dir gegenüber saß und meine Hand über den Tisch in deine Richtung ausgestreckt hab und du hast die deinen ruckartig in deinem Schoß vergraben. Als hätte ich eine ansteckende Krankheit. Ich wusste damals noch so wenig über dich … Wir blieben nicht lange und gingen dann Richtung Museumsquartier. Ich wollte so gern deine Hand nehmen, aber du konntest es nicht. Und auf einer der riesigen Steinliegen auf dem großen Platz, wo sich alle in der Sonne geaalt haben, hast du mich dann ganz ernst angeschaut und gesagt: "Du bist die schönste Frau, die ich je gesehen habe." Das ging mir durch und durch. Ich wusste, du meinst nicht nur meine langen, glatten Haare oder meine damals schön gebräunten Beine; du hast mich als Ganzes gesehen. Ich war sehr froh, dass du dann doch noch zugestimmt hast, mit mir essen zu gehen. Die Seitengasse war irgendwie gruselig, unangenehmer Wind frischte auf, die Tischdecken waren hässlich kariert und mein Antipasti war bestimmt nicht das Beste, das ich je hatte. Aber wir haben so viel Blödsinn geredet und gelacht, dass das alles einfach egal war. Bereits an diesem Tag hast du nicht verstanden, warum ich mit dir zusammen sein will. "Wie kannst du nach alldem noch lachen?", hast du immer wieder fasziniert gefragt. Und als wir spätabends in der U- Bahn standen, hast du dich endlich dazu überwunden, mich zu fragen, ob ich mit zu dir kommen möchte. Ich wusste, dass das für uns beide "etwas Großes" war. Nicht wegen dem Sex, den hatten wir ja schon davor. Bei mir. Doch endlich durfte ich meine Nase in dein persönliches Reich stecken. Und das dürfen immerhin nicht viele. Du hast es davor als "Depri- Wohnung" bezeichnet, doch das einzige, das ich gesehen habe, war die Wohnung eines Besitzers, der nicht viel Wert auf Interieur legt. So wie die meisten Junggesellen. Und ich habe mich sofort wohl gefühlt. Als ich dir das im Nachhinein geschrieben hab, meintest du: "Es war keine Depri- Wohnung, weil DU drin warst." Für mich galt jedenfalls: "Wo du bist, da bin ich zu Hause." Auch wenn´s kitschig klingt. Ich hätte sogar deinen Badezimmerteppich akzeptiert, aber den hast du dann ja (Gott sei Dank) von selbst ausgetauscht

Ich habe heute mit der Kathi über meine Emotionslosigkeit geredet und dass die mir Angst gemacht hat. So wie ich es dir vorhin beschrieben hab. Und sie meinte, dass das eine völlig normale Reaktion sei. Das mache der Körper als eine Art Schutzmechanismus, weil man ja sonst permanent traurig wäre. Solche Phasen sollen dem Körper wieder Energie geben. Und das würde auch in Zukunft in Wellen kommen: Traurigkeit, Zorn, Gleichgültigkeit, Traurigkeit, Zorn, … bis man irgendwann bei einer "Basis- Emotion" bleibt. Sobald sich Kopf und Herz für eine Richtung entschieden haben. Außerdem haben wir wieder meine Ungeduld besprochen. Dass ich in Bezug auf dich so gerne einen Weg einschlagen würde, aber nicht weiß, welchen. Und sie meinte, ich solle mir doch einfach ein bisschen Zeit geben. Diesen Fehler mit der Ungeduld hab ich ja auch bei unserem letzten Treffen gemacht. Ich hab mich selbst zu einer Entscheidung gezwungen, einfach um irgendetwas zu tun. Aber in Wahrheit hab ich überhaupt nichts entschieden. Ich habe mich in eine Richtung gezwängt, (und dich ebenso) einfach deswegen, weil mich der Gedanke umgebracht hat, noch weitere Tage oder Wochen mit Grüblereien und der Hoffnung auf eine Erleuchtung zu verbringen, bis wir uns das nächste Mal sehen, um darüber zu reden. Und jetzt? Sitze ich da und mache genau das Selbe. Nur dass wir jetzt keinen Kontakt mehr haben und du wahrscheinlich Tag für Tag immer weiter zurück in dein altes Schema verfällst. Jeder Tag, der vergeht, bestärkt dich in deinem Glauben, wir hätten das Richtige getan. Und dass du nicht zu mehr "fähig" warst. Und dass ich mich jetzt endlich von dir "befreien" kann, um den Mann zu finden, der besser für mich ist, als du. Es ist zum Schreien …

Gerade, als ich heute in den Zug zurück nach Stockerau gestiegen bin, hab ich eine Nachricht von A1 gekriegt, dass mein Handy im Shop abzuholen ist. Ich schwöre, ich hab gestern noch überlegt, ob ich den Abholschein mit nach Wien nehmen soll. Nur hab ich dann gedacht, dass es sicher noch viel zu früh ist. Hab damit gerechnet, dass das ein paar Wochen dauert. Vielleicht fahr ich morgen also nochmal nach Wien. Ich würde dir ja schreiben, ob wir uns dann morgen gleich treffen, aber ich hab dich ja schon vor einer Woche gefragt, du warst verhindert und hast dich seither nicht mehr gemeldet. Obwohl du gestern deinen freien Tag hattest.

Es ist arg, dass meine Therapeutin nur 5 U- Bahn- Stationen von deiner Arbeit entfernt ist. Während ich also dort sitze und (vorwiegend) über dich rede, sitzt du nur wenige Kilometer daneben und telefonierst mit Arbeitslosen. Kathis freie Termine sind hauptsächlich vormittags, also werden wir uns niemals zufällig in der U- Bahn begegnen. Ist wohl auch besser so.

Sie hat mir heute übrigens geraten, meine Schreiberei unter die Leute zu bringen. Sie weiß von dem Buch, das ich nie zu Ende geschrieben hab, was ich sonst alles für andere schreibe, von den selbst erstellten Nachhilfe- Unterlagen und seit heute weiß sie auch, dass ich dir fast jeden Tag schreibe. Also meinte sie: "Wieso schreiben Sie eigentlich keinen Blog?" Ja, wieso eigentlich nicht? Wieso bin ich nie von selbst auf die Idee gekommen? Also dachte ich, ich könnte die Briefe bloggen, die ich dir schreibe. Und wenn es nur ein Einziger liest, dann ist es besser als keiner. DIR kann ich´s ja leider nicht schicken. Ich wüsste zwar nicht, wen mein ganzes, dzt. ein wenig melancholisch angehauchtes Blabla interessieren sollte, aber ich kann´s ja mal versuchen. Und wenn´s niemanden interessiert, hab ich trotzdem meine "Hausaufgaben" gemacht. Allerdings müsste ich das dann zu 100% anonym machen. Meine Fickträume gehen nun wirklich niemanden etwas an. Und ich würde ungern von irgendjemanden darauf angesprochen werden.

Elise sollte in 20 Minuten hier sein zur Nachhilfe. Bin gespannt, wie ihr Deutsch- Referat lief. Mit Hanna hab ich meiner Meinung nach übrigens einen Durchbruch erzielt in Englisch. Letztens haben wir fast 3 Stunden gemacht und mir scheint, als hätte sie das mit der Fragestellung und der Verneinung endlich geschnallt. Wir haben schon immer so gelacht. "Na und! Ich hasse das 'do'. Das ist doch gestört- 'Tust du mögen zu backen einen Kuchen?', das ist doch nicht deutsch!" Und ich: "Nein Hanna, wir machen Englisch." Aber ich glaub, jetzt hat sie´s!

So, ich geh noch eine rauchen. Wir hören uns. Oder nein. Wahrscheinlich nicht …

19.11.15 22:20


Brief_05 Freund, Freundin, Ex- Freundin

17.11.2015, 11:28

 

Hey M,

 

Hatte gestern Dienst von 7-19 Uhr. Danach bin ich noch mit Mona zu "Oliver's" gegangen. Sie holt ihren Freund (der übrigens auch Michael heißt) immer ab, weil der keinen Führerschein hat und Mona hätt sonst zwischen Dienstende und 21 Uhr warten müssen. Mona ist eine Plaudertasche. Und gestern war's auch voll okay, denn während sie mir von all den Familienverhältnissen erzählt hat, (Adoption ihres Freundes, erstes Treffen mit der leiblichen Großmutter usw.) konnte ich mich nicht mit unseren/ meinen eigenen Problemen befassen. Bei vielen Dingen musste ich trotzdem an dich denken. Michael hat jetzt erfahren, dass seine leibliche Mutter unter Schizophrenie litt. Natürlich haben Mona und er dann ein bisschen Panik gekriegt, ob er nicht auch betroffen ist, weil es ja vererblich ist. Da musste ich an deine Ex Lena denken, die ebenfalls Angst hatte, sie würde wie ihre Mutter werden. Michael hat auch schon einen Suizidversuch hinter sich (vor Monas Zeit) und er neigt dazu, alles wegzuschieben. Zumindest ließ er sich jetzt aber von Mona dazu überreden, seine Schilddrüsenwerte kontrollieren zu lassen, da die bei Schizophrenie angeblich immer erhöht sind. War aber alles im Normbereich. Nächstes Jahr wollen die beiden Haus bauen (was finanziell zwar sehr schwierig ist zur Zeit) und mit dem Kinderkriegen wollen sich auch nicht ewig warten. "Wie's kommt, kommt's". Ein ganz normales Paar mit seinen Problemen und auch einer Menge Meinungsverschiedenheiten (die zähl ich jetzt nicht alle auf). Trotzdem denkt keiner  der beiden darüber nach, das alles wegzuschmeißen, weil es dann vielleicht einfacher wär und man weniger nachdenken müsste. Sie überstehen ihre Tiefen und erleben die Höhen gemeinsam. Weihnachten verbringen sie zu zwei zu Hause. Nächstes Jahr fliegen sie in die Dominikanische Republik.

Im Dienst gestern heute hat übrigens ein Patient auf seinem Laptop ferngesehen. Als ich zu ihm ging, um ihm seinen Venenzugang zu entfernen, erschien plötzlich ganz groß Michael Douglas' Gesicht auf dem Bildschirm. Ich konnte gerade noch genügend Cotonous bewahren, um den Patienten nicht unabsichtlich verbluten zu lassen …

Ich hab's noch immer nicht geschafft, die leeren Regale wieder einzuräumen bzw. alles wieder umzuräumen. Auch die Fotos von uns beiden stehen und hängen noch herum. Bei dieser Trennung hatte ich aber komischer Weise auch gar nicht das Bedürfnis, alles sofort zu verräumen, was ich bisher ja doch immer direkt danach gemacht hab. Ich weiß, die Stoffsonne, die du mir im Prater geschossen hast und das Herz am Stiel, deine Halloween- Konstruktion auf der Anrichte, … das alles gehört hier nicht mehr her.

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Die Eule von deiner Mama lass ich trotzdem hängen- weder deine Mama, noch die Eule können was dafür. Vielleicht mach ich ja heute mal einen Rundgang durch die Wohnung und schaff das ganze Zeug weg. Mann, … das wollte ich nie wieder tun. Nie wieder! Es macht  auch überhaupt keinen Unterschied, ob da jetzt ein gerahmtes Foto von uns herumsteht oder nicht. Ich werde nicht weniger an uns denken, wenn ich dort stattdessen eine Glasvase aufstelle. Aber vielleicht hab ich dann zumindest das Gefühl, ich hätte was getan.

Gestern hab ich einen Brief von der Donautouristik gekriegt. Die werden mir jetzt wahrscheinlich bis in alle Ewigkeit neue Prospekte schicken seit unserer Bratislava- Schifffahrt. Die Kaiserin Elisabeth fährt sogar am 24.12.: Begrüßungspunsch, 5- Gang- Weihnachtsmenü, 1 Glas Champagner, 1 süßes Souvenir (Geschenk des Kapitäns). Und natürlich spielen sie Weihnachtslieder … "Winterfahrten mit der MS Kaiserin Elisabeth. Außergewöhnlich. Mystisch. Niveauvoll." Herrlich …

Jakob hat gestern im Dienst im gefragt: "Und bei euch? Alles okay?" Ich hab nicht geantwortet. Und dann das Thema gewechselt. Du weißt, ich lüge nicht, aber ich wollt es ihm auch nicht erzählen. Später hab ich mich dann mit unserem Praktikanten unterhalten. Er wohnt in einem Haus in Grafenwörth, sie in einer Wiener Wohnung. Und dann hat er eben erzählt, dass das immer so mühsam ist, die Sachen mit hin- und her zu nehmen und das Wichtigste hätte er schon in doppelter Ausführung. Und ich hab gesagt: "Ja, voll, das hat mich auch immer so genervt. V.a. weil man sich im Vorfeld schon immer überlegen muss, was man am nächsten bzw. übernächsten Tag anzieht." Danach meinte Jakob dann: "Ahaaa! Vergangenheitsform! Es HAT dich genervt." Hab dann nur gesagt: "Ja, das ist ja jetzt nicht mehr notwendig." Er weiß ja, dass wir zusammengezogen sind. (Aber nicht, dass du wieder ausgezogen bist.) Jedenfalls hat er mir seine Schulter angeboten, sollte ich mich ausreden wollen. "Ja … danke." Nächsten Montag haben wir Dienstbesprechung am Abend und Jakob hat Dienst bis 15 Uhr. Er hat vorgeschlagen, dass wir die Zeit bis zur Besprechung gemeinsam verbringen, weil fürs Heimfahren zahlt es sich für ihn nicht wirklich aus. Ich glaube nicht, dass ich das tun werde. Ich mag seine Gesellschaft zwar irgendwie, weil er ja ganz witzig ist, wenn er nicht gerade spinnt, aber jedes Mal, wenn ich ein bisschen auf ihn zukomme, also nicht ganz abweisend bin, geht das Theater von vorne los. Selbst wenn jetzt schon länger nichts wirklich Dramatisches mehr war. Aber das lag ja auch viel daran, dass du und ich zusammen waren. Und ich kann am Montag auch nicht 3 1/2 Stunden das Thema 'Joanna& Michael' umgehen. Irgendwann hat er mir auch von seinem letzten Wochenende erzählt, mit wem er wann was geschrieben hat und mit wem er sich getroffen hat. Seine Frauengeschichten halt, die nie oder selten über das erste Date hinausgehen. "Aber egal. Mit 45 heirate ich sowieso dich. Ich bin dann viel heißer als du, du wirst verzweifelt sein, weil du´s nicht mehr bist und dann passt das schon mit uns beiden." Er ist echt so ein Spinner …

Sam schaut sich am Freitag ein Auto an. 3500€. Ein VW Polo, blau metallic. Sieht echt süß aus. Demnächst wird sie die theoretische Führerscheinprüfung machen. Sie lernt grade wieder intensiver. V.a. auch, weil es ihr jetzt mit der Fahrerei besser geht. Die letzten beiden Male liefen super und sie hat auch nicht mehr so viel Angst. Mit den Männern läuft´s allerdings nicht so gut momentan. Ein Typ von der Arbeit hätte sie interessiert, er sich für sie anscheinend auch, doch dann hat er plötzlich nicht mehr geantwortet auf What´s App. Morgen sieht sie ihn vielleicht wieder und weiß nicht, was sie dann machen soll. Blöde Situation. Aber gut, der hat eh eine Freundin, mit der es allerdings nicht so gut läuft. Wäre also ohnehin schwierig gewesen. Wobei ich dann an (meinen) Sebastian gedacht hab. Der war bei unserem 1. Treffen und somit auch 1. Kuss auch noch offiziell in einer Beziehung. Die ebenfalls nicht mehr funktionierte. Bloß ging Sebastian sofort am nächsten Tag zu ihr und hat Schluss gemacht. Ohne zu wissen, ob aus ihm und mir überhaupt irgendwas wird. Aus dem Grund hab ich Sam´s Typen nicht von Anfang an verurteilt. Wobei es natürlich korrekter wäre, wenn er die Beziehung mit seiner Freundin beenden würde, wenn es sowieso nicht mehr passt. Ich glaube, viele Menschen können einfach nicht alleine sein. Das trifft ja auf dich nicht wirklich zu. Ha. Ha. Ha.

Verdammt. Die Waschmaschine ist fertig. Ich will nicht. Mah, wir waren so schnell zu zweit beim Aufhängen. Das hat mir echt gefallen. Das war ein riesiger Pluspunkt unseres Zusammenlebens. 2 Wochen … eigentlich ist das ja lächerlich. Du hättest genauso auf Besuch gewesen sein können. Ach ja, ich hab ein T- Shirt von dir in der Wäsche gefunden. Türkis, ärmellos mit kleiner, schwarzer Aufschrift auf der rechten Brust. Aber glaube nicht, dass dir das schon abgegangen ist. Du hast es, glaub ich, eh nur zum Herumlungern und Trainieren angehabt. Und für diese Zwecke hast du ja genügend Kleidungsstücke.

Mich würde interessieren, was deine Familie im Burgenland zu unserer Trennung gesagt hat. Wurde es überhaupt angesprochen? Redest du schon in der Vergangenheitsform von mir? "Ja, das mit der Joanna war eine schöne Zeit. Aber sie wollte einfach nicht verstehen, dass ich sie nicht glücklich machen kann. Hoffentlich findet sie bald den Richtigen."  Deinen Großeltern, deiner Tante und allen anderen werden die Haare zu Berge stehen. Ich weiß, dass sie mich mochten. Weil sie gesehen haben, wie du endlich wieder angefangen hast, dich am Leben zu beteiligen. Dass du glücklich warst. Und ich auch. Wir beide zusammen. Alle wissen das. Nur du nicht.

Hat sich die Lena schon bei dir gemeldet? Als ich dir am Freitag geschrieben hab, ob wir uns treffen können, hast du ja dein Profilbild auf What´s App zu einem schwarzen Fleck geändert. Und Eindeutiger geht´s ja wohl nicht. Die Gute wird sich einen Ast abgefreut haben. Ich hoffe, du lässt dich nicht irgendwann in einem Moment der Einsamkeit von ihr einlullen und triffst dich mit ihr. Sie war wirklich nicht nett zu dir … Überhaupt sind Menschen, die Dinge schreiben wie "Wenn du sie schwängerst, bring ich sie und das Kind um!" nicht nett. Die sind skrupellos. Normalerweise würde ich an dieser Stelle schreiben "Aber du wirst schon das Richtige tun.", bloß ist das bei dir ja immer so eine Sache … Ich hoffe einfach, du lässt dir von ihr nicht nochmal wehtun. Sie hat dir Nelson weggenommen! Sie hat sogar das Besteck zurück verlangt. Die Kaffeemaschine, die ihr von deiner Mutter geschenkt bekommen habt. Alles. Und das alles, Jahre nach eurer Trennung. Nur weil du glücklich warst. Mit mir. Das ist kein Zeugnis für einen guten Menschen.

Das Einzige, das ICH gerne wieder hätte, ist die Glasflasche mit dem LED- Licht drin. Aber auch nur deswegen, weil ich sie von meinen Brüdern zum 30sten geschenkt gekriegt hab. Und weil du sie wahrscheinlich eh nur verstauben lässt und niemals aufdrehst. Und das finde ich schade.

Der größte Ozean ist übrigens der Pazifische. Kommt aus dem Lateinischen "pacificus"- friedlich. Ein Pazifist … schau, schau. Jedenfalls ist er der größte und tiefste Ozean der Erde und grenzt an alle anderen Ozeane an.

So, ich leg mich jetzt noch ein bisschen hin, hab ja heute Nachtdienst (mit Hanna) und bin heute viel zu früh aufgestanden. Jetzt ist es fast halb 4. Saß nicht ganze Zeit vor dem Laptop, nur immer wieder mal. Und jetzt ist es schon so spät und duschen muss ich vorm Nachtdienst ja auch noch …

Wäsche hängt übrigens. Und auf deinem türkisen Shirt steht "Sunset Taverna", hab ich jetzt beim Aufhängen gesehen.

Gute Nacht.

19.11.15 22:17


Brief_04 Wo ist da die Relation?

15.11.2015, 21:43

 

Hallo Michael,

 

nachdem ich heute zig Arbeitsblätter und Zusammenfassungen geschrieben hab für Hanna und Elise, wollte ich den Abend mit einem netten Film ausklingen lassen. Ich stand minutenlang vorm DVD- Regal und konnte mich nicht entscheiden. Letztendlich hab ich dann nach "Like crazy" gegriffen. Wir haben ihn mal zusammen gesehen. Das ist der Film mit dem frisch verliebten Pärchen. Sie bekommt dann kein Visum, sie sehen sich ewig lang nicht, versuchen, Kontakt zu halten, bis die Beziehung zerbricht. Er kehrt zu seiner Exfreundin zurück, die ihn nie vergessen konnte und sie fängt sich was mit einem Schwiegermuttertraum an, bei dem sie nicht sie selbst sein kann. Plötzlich trinkt sie keinen Whiskey mehr und macht Morgensport … Am Ende des Films findet das Ursprungspaar wieder zusammen. Die letzte Szene spielt unter der Dusche. Ich deutete das offene Ende damals als Neustart der Beziehung, du als Abschied. Erinnerst du dich? Ich habe heute allerdings nur etwa ein Drittel des Films angeschaut. Ich wollte dann eine rauchen gehen und als ich am Balkon saß, fiel mir die Sache mit Frankreich und den Terroranschlägen, die vorgestern passiert sind, ein. Also hab ich mit dem Leihhandy das Internet durchforstet und mich eingelesen. Keine Ahnung, wie viele Berichte ich in den letzten anderthalb Stunden gelesen hab über all die Toten, den Krieg und die IS. Das ist alles abscheulich. Danach hatte ich auch keine Lust mehr auf den Film. Es kam mir lächerlich vor. So wie ich mir selbst. Ich weiß, dass man das nicht vergleichen kann, aber es verging mir einfach.

Ich habe überlegt, wie du wohl darüber denkst. Ich nehme an, es bestätigt deine Meinung über die Menschheit: "Alles Arschlöcher. Die Welt steht nicht mehr lange."

Keine Ahnung, wie ich das in den Nachrichten überhören konnte. Gestern Abend lief mein Radio und trotzdem hab ich es von der Mama am Telefon erfahren. Im Radio haben sie gestern nur ewig lange darüber diskutiert, wann der passende Zeitpunkt ist, um die Weihnachtslied- Saison zu beginnen. Die haben echt mindestens eine Stunde lang darüber geredet. Als ob es keine anderen Probleme gäbe. Abgesehen davon, dass dieses Thema jedes Jahr durchdiskutiert wird. Genauso wie die Sache mit den Lebkuchen in den Geschäften. Sie stehen jedes Jahr zur selben Zeit in den Läden und Jahr für Jahr tun alle so, als "hätte es das früher nicht gegeben." Ich bin jetzt 30 Jahre alt und solange ich mich erinnern kann, regen sich die Leute über das Timing der gespielten Weihnachtslieder und das frühzeitige Angebot an Adventskalendern in den Geschäften auf. Als ob es nicht scheißegal wäre.

Hab heute mit Marina telefoniert wegen der Vermarktung der Zigaretten- Etuis. Sie scheint da auch anzustehen. Wie es aussieht, ist es wirklich so, dass man das volle Selbständigkeitsprogramm fahren muss, wenn man Selbstgemachtes verkaufen will. Aber sie redet nochmal mit ihrer Steuerberaterin und ein paar anderen Leuten (die Marina kennt ja wirklich aus jeder Berufssparte jemanden). Und das Beste ist, dass sie ein paar Etuis mit in ihr Geschäft nimmt. Sie kann sie halt nicht in die Auslage legen aber sie meint, "sie macht das schon". Vielleicht stellt sie sie drinnen irgendwo hin. Womöglich so, dass ihre Kunden die ganze Zeit während der Fußpflege sie anschauen "müssen"

Das Telefonat mit der Mama heut war ganz gut. Ihr scheint die Sache mit der Weihnachts- Edition sehr gut zu tun. Sie hat schon einen Weihnachtsmann, einen Schneemann und einen Christbaum fertig. An Pinguin und Rudolph arbeitet sie noch. Das freut mich wirklich! Ich hoffe ehrlich, die verkaufen sich! Sie hat mich auch gefragt, wie es mir geht und ich konnte es nicht so recht sagen. Aus irgendeinem Grund verkrafte ich diese (womöglich letzte) unserer Trennungen bisher am besten. Ich glaube, es liegt daran, dass ich diesmal nicht das Gefühl habe, etwas unversucht gelassen zu haben. Ich habe wirklich alles gesagt, dir alles angeboten, was ich anzubieten habe und du wolltest es trotzdem nicht. Ich weiß, dass es nichts gibt, das ich noch hätte tun können. Außer es hinaus zu zögern, indem ich dir und mir vorspiele, ich könne damit leben, deine liebe Bekanntschaft zu sein, mit der du Sex hast und tageweise eine schöne Zeit verbringst.

Ich hab dir mein Herz geschenkt und du wolltest es nicht.

Das ist eine Tatsache, die sich in mein Gehirn einbrennen muss.

Unser letztes Treffen und die Nachricht am Freitag ( "Ich hab es mir so ausgesucht, also geht es mir ''gut'" )haben so viel in mir kaputt gemacht. An Hoffnung, Zuversicht und auch an Gefühlen. Heute überwiegt eher Leere als Traurigkeit. Und ich glaube, das wird jetzt so weitergehen. Es wird immer leerer werden in mir, bis ich irgendwann vielleicht auch "nur" noch ein Gefühl der Freundschaft für dich empfinde. So wie du für mich. So hab ich vorher noch nie gedacht bzw. vielmehr gefühlt. Ich hätte nicht gedacht, dass es jemals so weit kommen würde.

Und wenn ich daran denke, wie wir Penisse und Pilze auf meine Tafel gemalt haben und wie stolz ich unser "Album der unbändigen Liebe" hergezeigt hab, da kommt mir das alles so surreal vor. War das zwischen dir und mir surreal oder ist es jetzt surreal? Ich weiß es nicht.

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Ich kann nichts tun. Und du tust nichts. Weil du nicht kannst oder willst- das werd ich wahrscheinlich nie ganz begreifen.

Aber wie gesagt: In Hinblick auf den Terrorismus und sämtliches, sonstiges Leid auf dieser Welt ist all meine Schreiberei lachhaft. Ich würde mich selbst auslachen. Wenn ich könnte.

19.11.15 22:08


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