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Brief_29 Ein herber Rückschlag

12.12.2015 13:57

 

Na hey Michael,

 

ich ahnte nichts. Und plötzlich war da eine Nachricht von dir auf meinem Handy. Einfach so. Aus dem Nichts. Zu lesen, was dir durch den Kopf geht, wenn du (mittlerweile schon wieder zu lange) alleine bist, ist erschreckend:

 

weißt du...ich bin wieder komplett zurückgezogen...entfern mich emotional wieder weiter weg von familie und leben...denk jeden tag mehrmals an dich...denk mir dann wiederum: was is wenn ich nicht weiß was liebe wirklich ist...was is wenn ich dich doch nicht liebe...was is wenn ich nicht lieben kann...was is wenn ich an dich geklammert im warmen bett lieg und mich rundum glücklich fühl und am nächsten tag aufwach und mich trotzdem wieder einkastln will...was is wenn ichs dir noch schwerer mach als es ohnehin schon ist indem ich dir sowas schreib...was is wenn es karma gibt und ich bezahlen muss dafür dass ich so mit denen umspring denen ich so viel bedeute...was is wenn mein selbsthass und dauernder zweifel bereits die strafe/quittung dafür ist...was is wenn ich mich kaputt mach mit meinem imkreisdrehn...was is wenn du glaubst dass da irgendwo hoffnung besteht für mich und sie dennoch nicht besteht...was is wenn der geradeste, uneigennützigste mensch den ich kenne vielleicht nie das glück bekommt das sie verdient...was is wenn ich verrückt werde und menschen die kraft und liebe in mich investieren am ende dafür zusätzlich bezahlen müssen...was is wenn ich nie wieder....

Ach Michael … wie kommst du nur auf die Idee, verrückt zu werden? Du hast mit deinem kleinen, grünen Alien namens Bipolare Störung zu kämpfen, aber nur deswegen ist man doch nicht verrückt! Es gab so viele Tage, da hat dein Alien nicht mal eine Rolle gespielt. Wieso siehst du das nicht? Wieso denkst du immer nur an all die Szenarien, die schwierig für uns waren?

Wenn du so weiter machst bzw. eben NICHTS machst, bist du wieder bei zurück bei Null. Und alles, was wir geschafft haben in den letzten Monaten ist dahin. Du klingst schon wieder so verbittert … und traurig … es ist ein Graus.
12.12.15 14:12


Brief_28 Viel Spaß wünsch ich!

11.12.2015 19:46

 

N' Abend Michael,

 

na, amüsierst du dich gut auf Gerhards Geburtstagsfeier? Kurzzeitig hab ich ja überlegt, auch hinzugehen, aber ich glaube, da würde ich mir dann doch dämlich vorkommen. Inmitten deiner gesamten Family sitzen und dir vom anderen Tischende zunicken … Deine Mama hat mich zwar letztens beim Telefonieren mehrmals erinnert, dass ich eingeladen bin, aber was soll ich dort? Ich weiß, sie hätte sich gewünscht, dass ich heute hinkomme. Sie hofft so sehr, ich komme endlich, um dich zu retten. Bestimmt ist das ihr einziger Wunsch für Weihnachten. Aber wenn ich eins gelernt habe in den letzen anderthalb Jahren, dann dass man nur jemanden retten kann, der auch gerettet werden will …

Mir ist sowas von eiskalt. Werde dann duschen gehen. Vielleicht bleib ich gleich dort. Im heißen Wasserdampf und Magnolienduft. Dort ist es zur Zeit am schönsten.

11.12.15 20:03


Brief_27 Bombastische Shoppinglaune

10.12.2015 23:42

 

Hey Michael,

 

hatte gestern einen schönen Tag. Abgesehen von der Zugmisere. Musste Jedlersdorf den Zug verlassen wegen einer Bombendrohung in Floridsdorf. Fuhr also mit dem Bus, dann mit der 26er Straßenbahn, dann mit der 25er Straßenbahn irgendwo quer durch Wien, bis ich es endlich zum Donauzentrum geschafft hab. Im Endeffekt hatte am Bahnhof Floridsdorf nur wieder irgendein Idiot einen leeren Koffer stehen gelassen.

Dafür überkam mich dann allerdings richtig gute Shoppinglaune. Weihnachtsgeschenke wurden es weniger, dafür hab ich jetzt eine superschöne neue Handtasche, eine sehr, sehr geile Jacke mit noch geilerem, glänzenden Kunstpelzkragen und einen süßen Pulli von Hollister mit einem Eisbärenkopf vorne drauf. Und das alles für … 0€. Hatte ja immer noch die Gutscheine von meinem 30sten im Juli = doppeltes Shoppingvergnügen

Deine Nachricht heute kam überraschend. Dachte nicht, dass ich vor Weihnachten nochmal was von dir höre. Jaja, das Schicksal- dass du genau in dem Restaurant Weihnachtsfeier hast, in dem wir unser "Horror- Date" hatten … Diesem Tag habe ich am 19.11. sogar einen eigenen Brief gewidmet (Brief_06) Man kann eben nicht davonlaufen. Und mein Gesicht wird dir noch an so vielen Orten begegnen und in so vielen Person erscheinen, dass dir irgendwann gar nichts anderes übrig bleiben wird, als dich mit deinem kleinen, grünen Alien auseinander zu setzen. Andernfalls ist unsere Love Story hoffnungslos und ich weigere mich nach wie vor, das zu glauben. Selbst wenn Matthias beim Punschtrinken gestern seine gegenteilige Meinung dazu äußerte. Obwohl er dich wirklich mag. Das weiß ich. Und hat er auch gesagt. Aber er denkt, ich investiere meine Energie in etwas, das keine Zukunft hat. Vicky war zum Glück auf meiner Seite. Wobei sie auch erwähnte, dass sie ja nur deine sunny side kennt. Hanna schien Matthias' Anschauung zu teilen. Sie hat nichts gesagt, aber ich habe es ihr angesehen.

Aber im Grunde ist es egal, was die anderen denken. Ich glaube an uns. Und du auch. Vielleicht … Irgendwann …

11.12.15 00:02


Brief_26 Still at the waiting area …

08.12.2015 20:22

 

Hallo Michael,

 

es war wirklich schön, endlich wieder mal deine Stimme zu hören. Weniger schön waren die ersten 15 Minuten unseres Telefonats. Immer wieder erschreckend, wie du klingst, wenn du "dein Leben" führst. Und genauso unglaublich ist es, wie lieb und lustig du sein kannst, wenn du nur lange genug meiner Stimme lauschst und wieder "zu dir kommst".

Keine Ahnung, ob mir das Gespräch gestern gut tat. Auf der einen Seite bin ich froh, endlich zu wissen, wie es dir geht und wie du über all das denkst, auf der anderen Seite nahm mir das Telefonat sehr viel meiner Hoffnung. Jeden Tag habe ich gewartet und warte ich noch …

Du sagst, wir können uns vielleicht nach Weihnachten wiedersehen. Das ist doch scheiße. Ich liebe Weihnachten. Mit all seinem Glanz und Glitzer und Zauber. Und das soll ich nun ohne dich verbringen. Das Fest der Liebe ohne meiner großen Liebe.

Hab ich schon mal erwähnt, wie sehr ich es hasse, wenn du zu mir sagst, ich solle doch endlich vernünftig sein und mir einen Mann suchen, der unkompliziert ist und mit mir das Haus- Kind- Hund- Projekt angeht? Ich WILL kein Haus- Kind- Hund- Projekt! Alles, was ich will seit 18 Monaten bist du! Auch wenn ich es, wie du immer sagst, nicht nötig habe. Nein, habe ich wirklich, definitiv nicht. Es gibt genug andere, die dich fragen würden, ob du blind bist oder völlig geistesgestört, dich von mir zu distanzieren.

Aber davon hab ich nichts, wenn ich doch nur dich will. Doch jetzt heißt's in erster Linie wieder mal warten … weitere drei Wochen …

8.12.15 20:51


Brief_25 Albträume …

06.12.2015 19:53

 

Na hey Michael,

 

vielleicht wäre es eine bessere Idee gewesen, mit einem Traumtragebuch zu beginnen, anstatt dir Tag für Tag Briefe zu schreiben, die du ohnehin niemals lesen wirst. Mein Traum letzte Nacht war wieder einmal furchtbar. Furchtbar realistisch. Wie immer.

Deine Mutter, ihr Lebensgefährte und ich waren in einer Wohnung, die ich nicht kenne und wir unterhielten uns. Plötzlich ging die Tür auf und du kamst herein. Arm in Arm mit deiner Ex Lena. Sie trug ein kackbraunes Strickkleid mit einem schwarzen Gürtel. Ebenso kackbaunes Haar mit leichter Naturwelle fiel ihr über die Schultern. Wenn ich sage, dass sie mir von der ersten Sekunde an "unsympathisch" war, ist dies ein absichtlich nett gewählter Ausdruck. Sie lächelte falsch wie ein Honigkuchenpferd und begrüßte uns übertrieben herzlich. Auf einmal kam sie direkt auf mich zu. Sie umarmte mich innig, lachte und kurz bevor sie sich von mir löste, raunte sie mir leise zu: "Du bist wirklich die hässlichste Frau, die ich jemals gesehen habe." Und dann kicherte sie wieder wie ein pubertierendes Mädchen und wandte sich deiner Mutter zu. Keine Ahnung, warum ich ihr nicht die Fresse poliert habe. Hoffentlich kommt das in der Fortsetzung heute Nacht.

Leider war der Traum aber noch nicht zu Ende. Etwas später wart ihr beide im Nebenzimmer verschwunden. Die Tür war offen, also ging ich hinein. Ich glaube, ich wollte dich etwas fragen. Als ich zur Seite sah, entdeckte ich euch beide auf der Couch. Zwar bekleidet, aber übereinander. Sie lag auf dir und küsste dich, während deine Hände auf ihrem Arsch lagen. Als dir auffiel, dass ich in der Tür stand, drehtest du deinen Kopf in meine Richtung. So wie auch Lena. Sie sah mich an, als wäre ich juckender Ausschlag. Und noch bevor ich ein Wort sagen konnte, fingst du plötzlich an: "Siehst du", Kopfnicker zu Lena, "genau so habe ich mir das vorgestellt. Sie kommt, wenn ich es will und sie geht, wenn ich es will. Keine Verpflichtungen, keine Verantwortung, einfach nur Spaß! Und alle sind zufrieden." Lena setzte einen selbstgefälligen Blick auf und grinste spöttisch. "Ich habe gewonnen." Ich weiß noch, dass ich versuchte, sie zu ignorieren. Und auch den Drang, zu gehen. Mir fiel auf, wie dünn du geworden warst, deine Nase war ganz schmal, deine Wangen eingefallen. Du hast wirklich krank ausgesehen. Ich wusste, wenn ICH dich nicht "rette", Lena würde dir deine letzte Energie aussaugen. Sie würde deine Bipolare Störung zu ihrem Vorteil nutzen und dich in den Ruin treiben.

Dann bin ich aufgewacht. Keine Ahnung, weshalb Lena plötzlich eine Rolle spielt. Ihr habt seit Ewigkeiten keinen Kontakt mehr. Glaube ich zumindest.

Ich will das alles nicht mehr.

Und es ist falsch.

6.12.15 20:36


Graue Wolke


Graue Wolke, bleib
Hüll mich ein in deinen Nebel
Lass ihn nieder deinen Schauer
Jeder Tropfen ein Gedanke

Feuchte Kälte der Erinnerung
Bleib und fröstle
Und wärme mich zugleich.
Möchte nicht vergessen,
Die Momente nicht verlieren,
Sein Gesicht in jeder Perle
kalten Niesels auf der Haut.
Unendlich die Facetten,
Riesig das Gespinst
von dir und mir zusammen.
Graue Wolke, zieh nicht weiter
jedes Bild in deinem Regen-
dröhnend Nachhall dieser Liebe
Saug mich ein
in dies'ge Schwaden
Deck mich zu mit Finsternis
Deine Tränen, graue Wolke,
spür ich beißend an den Wangen
Schluck sie runter

sammle alle 
bis ein kleiner See in meinem Innern
trotzig bettelt, mich verleitet
auf ein Weit'res
In ihm zu versinken
Und langsam zu ertrinken.
Doch statt zu fliehen
die Wärme und das Helle suchend
lass ich's zu und schließ die Augen,
Nehme auf, was übrig ist
Füll die Leere nur mit dir.
Graue Wolke, dräng sie weg
Die heiße, heitre Sonne
Bist du fort,
So schwindet alles.
Gehst du weg,
Dann geht auch er.
Hebt der Schmerz erst träge
seine Hand zum Abschied
ist es weg.
Das Wir ist längst gegangen,
Später du
Und schließlich ich.

 

5.12.15 22:06


Brief_24 Alles was zählt … fehlt

05.12.2015 19:24

 

Hallo Michael,

 

wenn ich an dein Lachen denke, habe ich bereits Schwierigkeiten, mir den genauen Laut ins Gedächtnis zu rufen. Ich muss mich tatsächlich konzentrieren, um mich daran zu erinnern. Das ist doch Wahnsinn …! So lange haben wir uns definitiv noch nie angeschwiegen.

So viele Dinge würde ich dir gerne erzählen … alles, was ich dir bisher geschrieben habe. Und umgekehrt würde ich so gerne so vieles wissen. Wie verbringst du deine Wochenenden? Triffst du dich mit Manuel? Vermisst du mich oder hast du alles zwischen uns schon komplett verdrängt? So weit nach hinten, dass du nur noch für eine Sekunde an mich erinnert wirst, wenn Jennifer Aniston über den Fernsehbildschirm huscht? Oder wenn eine Frau an dir vorbeispaziert und dir steigt plötzlich Kenzo amour in die Nase. Blickst du dann kurz auf, hältst für einen Moment inne, um dann den Kopf zu schütteln und jegliche Gedanken an mich, wegzuschieben?

Die Weihnachtsfeier gestern Abend war wirklich sehr, sehr lustig. Nur Jakob hat sich leider wieder mal sinnlos betrunken … "Darf ich dann bei dir schlafen?", "Gehen wir dann noch irgendwo hin?" Doris hat mir erzählt, er hätte gestern zu ihr gesagt, dass er es bei der Weihnachtsfeier wieder mal bei mir versuchen will. Und er hat wirklich nicht locker gelassen. Hab ihm immer wieder gesagt, dass er nicht bei mir übernachten kann. In der Früh hat er dann schon so gelallt, dass er niemals allein ins Bett oder auf die Couch gegangen wäre … der war schon viel zu dicht! Jetzt brauche ich mich aber zumindest nicht mehr fragen, ob er weiß, dass wir uns getrennt haben. Er war zwar auch immer zweideutig, während du und ich zusammen waren, aber so penetrant wie gestern hätte er sich niemals aufgeführt, wenn er nicht über die Trennung Bescheid wüsste.

Hahaha, jetzt hat gerade Juli (Die Spontan- Masseuse von Brief_15) angerufen und gefragt, ob ich einen Punsch mit ihr trinken gehe. Hab heute aber keine Lust mehr. War am Nachmittag in verschiedenen Läden einkaufen, hab zu Hause aufgeräumt, Kaffeemaschine entkalkt, Katzenkisten geschrubbt, ... Und eeenndlich Weihnachtsdeko gemacht. Bin sehr zufrieden mit mir

Ach Michael, … ich will das alles wieder mit dir teilen. Können wir dein bipolares Alien nicht einfach vergiften? Oder es zu Tode lachen? Ich möchte dir einen Schoko- Nikolaus schenken. Du könntest seinen süßen Geschenkebeutel in meinen Nabel stecken und anschließend wieder herauslecken. Und ich würde kichern und quietschen, weil es kitzelt und dann haben wir unglaublich guten, intensiven Sex. Nie in meinem Leben hab ich so gut geschlafen, wie all die vielen Male, nachdem du mich zum Höhepunkt gebracht hast … Wie können wir das einfach nicht mehr tun? Nie wieder zusammen aufwachen und Speck braten? Auch Kit vermisst den Speck sehr …

Hab einen schönen Samstagabend. Du fehlst mir.

5.12.15 20:19


Brief_23 Freitag der Dritte

03.12.2015 21:16

 

Hey Michael,

 

hab wieder mal 12 Stunden im Krankenhaus verbracht. War ein guter Dienst, wenn auch etwas hektisch. Nur mit dem Stechen hat's heute nicht funktioniert. Eine Blutabnahme versaut, zwei Zugänge nicht geschafft. Und das mit meinem Glücks- Stauschlauch …! So eine miese Serie hatte ich schon lange nicht mehr. Waren aber auch wirklich schwierige Fälle.

Oberarzt Mo heute: "Schwester Joanna, haben Sie abgenommen? Wenn man Sie anschaut, denkt man sich 'Gebt dem Mädchen doch 5 Euro, damit sie sich was zu essen kaufen kann … hahaha." Ich: "Hahaha, das hab ich mir bei Ihnen noch nie gedacht."  Er ist so dumm Wir arbeiten jetzt seit über 11 Jahren zusammen und manchmal muss ich bei ihm an Dr. Cox aus Scrubs denken. Und ich wäre dann Carla. Bloß in weiß

Gestern hab ich eine Postkarte aus Kuba gekriegt. Ohne Absender. Glaube, sie ist von Sebastian. Würde ihn ja fragen, nur kommt's mir irgendwie seltsam vor, ihm zu schreiben, während wir beide keinen Kontakt haben … Morgen sind's dann schon 4 Wochen, die wir uns nicht gesehen haben. Kommt mir noch länger vor als die 11 Jahre im Krankenhaus.

Mich würde brennend interessieren, ob deine Mama gestern Abend mit dir geredet hat. Und wenn ja, was ihr besprochen habt. Sie war so lieb, als ich mit ihr telefoniert habe. Und sie würde sich so sehr wünschen, dass du glücklich bist. Ich mir auch. Du scheinst der Einzige zu sein, den die Tatsache, dass du es nicht werden kannst, wenn du so weiter machst, nur peripher tangiert. Meister des Verdrängens, Guru des Abschaltens …

Morgen Dienst bis 15 Uhr, am Abend dann Weihnachtsfeier. Keine Ahnung, was ich anziehen soll. Normalerweise kaufe ich mir immer ein neues Kleid dafür. Hätte ich gestern nach der Psychotherapie auch gemacht, nur hat mich nichts, von alldem, was ich anprobiert hab, so wirklich vom Hocker gerissen. Also bin ich einkaufstaschenlos nach Hause gefahren. War übrigens in der Mall Wien Mitte, wo wir uns immer getroffen haben. Seltsames Gefühl, dort zu sein ohne dich …

Und noch was: Langsam fehlt mir der Sex ganz wirklich! Es ist jetzt gute sechs Wochen her. Sechs Wochen ohne Sex. Und wenn ich daran denke, wie gut wir darin waren …

Ich esse jetzt einen Keks

Schlaf gut

3.12.15 21:45


Brief_22 Dritte Sitzung - erste Erleuchtung

02.12.2015 17:16

 

Hallo Michael,

 

nachdem mein Hundesitting- Dienst bei Sam heute Vormittag zu Ende war, bin ich zur Therapeutin gefahren. Zwei Dinge haben sich zwischen 12 und 13 Uhr bestätigt:

1, Man kann nicht sein eigener Psychotherapeut sein.

2, Kathi kriegt nicht umsonst 90€ die Stunde.

Hatte eine wahre Erleuchtung. Es ging heute hauptsächlich darum, dass ich bisher nie verstanden hatte, warum ich mich schon vor dir immer nur zu Männern hingezogen fühlte, bei denen von vornherein klar war, dass es nicht einfach werden würde. Dass ich nie den einfachen Weg wähle, sondern immer den, auf dem "Krisen bewältigt" werden müssen. Und gab es keine Krisen, wurde ich selbst zum Problem ( Beziehungsphobie … "Nein, ich kann das alles nicht, das ist mir zu viel …" ) Unterm Strich: Steht da ein Typ, der wahnsinnig lieb ist, humorvoll, intelligent, gut verdienend, respektvoll, angesehen, unkompliziert und daneben ein Typ, der auf seine Art und Weise speziell ist und die Wahrscheinlichkeit einer unkomplizierten Beziehungsführung bei max. 10% liegt, stürze ich mich auf den 10%- Typen. Weil das, wie wir jetzt wissen, scheinbar mein Naturell ist. Spiegelt sich auch in sämtlichen anderen Bereichen meines Lebens wieder: Ist die Hölle los auf der Station, arbeite ich am Effizientesten, habe ich Zeitdruck, funktioniere ich am besten, gibt' s irgendwo Probleme, bin ich zur Stelle und versuche, sie zu lösen. Zack, zack, zack. Bis ich damit fertig bin. Ich nenne die Dinge beim Namen und mache. Auch meine Gefühle sind am intensivsten, sobald eine Krise sich anbahnt. Speziell auch in unserem Fall. Jedes Mal, wenn du bzw. der bipolare Teil deiner Persönlichkeit wieder angefangen hat, alles zwischen uns anzuzweifeln, habe ich alles unglaublich stark gefühlt: Traurigkeit, Hoffnung, Liebe.

Warum das so ist:

Wie man es aus dem Fernsehen kennt: Die Therapeutin und ich haben in meiner Vergangenheit und Familiengeschichte rumgewühlt. Alles keine Neuigkeiten, doch habe ich da nie eine Verbindung gesehen: In meiner Familie wurde gestritten und anschließend … nichts getan. Wir haben nicht darüber geredet, uns ausgesprochen, irgendwas abgeschlossen. Es wurde einfach geschwiegen und Tage später haben wir dann so getan, als wäre nie etwas passiert. So habe ich es kennen gelernt als Kind, das wurde mir so mitgegeben. Also habe ich es, bereits im Kindesalter, kompensiert: Große Fresse, aufmüpfig, frech, streitlustig- mein Versuch, zu kommunizieren. Weil mir diese Teile, also Offenheit und Aufarbeiten, natürlich gefehlt haben. In der Pubertät wurde es natürlich noch schlimmer mit mir: Die Hormone spielten zusätzlich verrückt und ich wurde noch rebellischer. Ich habe seit einer Ewigkeit nicht mehr daran gedacht, dass ich mich damals sogar ritzte. Einfach, um endlich Aufmerksamkeit zu kriegen. Alles in mir wollte es rausschreien, endlich gehört werden und zuhören. Doch wir machten weiter unser Ding, spielten vor allen anderen die happy family und schwiegen uns an. Also alle schwiegen außer mir. Joanna, die Unruhestifterin …

Wie auch immer, das könnte man jetzt noch lange vertiefen, aber das hab ich ja schon mit der Therapeutin getan. Jedenfalls meinte sie dann, dies wäre eine mögliche Erklärung, fast eine logische Schlussfolgerung: Ich fühle mich einfach "lebendiger" bzw. echter, wenn es Krisen zu bewältigen gibt. Stillstand, Alltag, Monotonie usw. sind Gift für mich, da ich den Zustand, wenn einfach gar nichts passiert, unterbewusst mit dem vergleiche, wie es damals jahrelang war. Als würden alle schweigen.

Darum habe ich

1. immer diesen Zwang, ALLES auszusprechen und

2. Krisen unbewusst provoziert, (wie bei Sebastian z.B.) wenn es keine Probleme gab.

Doch manchmal ist es auch einfach "nur harmonisch" und man schweigt, weil es nichts zu besprechen gibt. Differenziere: schweigen und VERschweigen

Das alles unterstreicht nur zum 148.000sten Mal, wie falsch du liegst, wenn du sagst, ich muss mir jemand Unkomplizierteren suchen, um auf Dauer glücklich sein zu können. Da ich mit jemand Unkomplizierten scheinbar gar nicht glücklich sein KANN. Die Therapeutin hat mir aber Gott sei Dank bestätigt, dass die Tatsache, dass ich bin, wie ich bin, nicht ausschließt, dich zu lieben. Also fühle ich mich nicht wegen der Komplikationen, die deine Bipolare Störung mit sich bringen, zu dir hingezogen, sondern ich liebe dich und fühle mich wohl mit dir, weil es immer wieder Komplikationen gibt (die bewältigt werden müssen).

Weil ich genau deswegen Ich sein kann.

2.12.15 19:29


Brief_21 Zwei ewig lange Nächte ...

01.12.2015 13:31

 

Hallo mein lieber Michael,

 

der Dienst gestern war die Hölle. Von der Arbeit her ging's zwar, hatte ein gutes Team, aber körperlich hatte ich schon bessere Tage! Die Nacht davor hatte ich kaum geschlafen, bin immer wieder aufgewacht und hab auf die Uhr gesehen. Vielleicht war das auch ein bisschen Schuld. Jedenfalls wollte ich ab 12 Uhr mittags nur mehr nach Hause. Dachte erst, es liegt am Kreislauf, hab deswegen sogar zu Mittag gegessen und auch was getrunken. Am Nachmittag allerdings hab ich solche Kopfschmerzen gekriegt, sodass jedes Patientenläuten in meinem Schädel wie eine Sirene heulte. Am Abend wollte ich nur noch sterben. Matthias hat mich nach Hause gebracht, ich hab's gerade noch geschafft, die Kitties zu füttern und bin sofort ins Bett gegangen. Ungeduscht, bäh! Um ein Uhr Früh war ich dann natürlich putzmunter, konnte aber noch ein bisschen schlafen. Bis drei Uhr. Da bin ich dann aufgestanden, hab ein paar Zigaretten geraucht, nochmals die Katzen gefüttert, … Aber zumindest waren die Kopfschmerzen weg.

Um 10 Uhr kam dann Hanna zur Nachhilfe. Machen grad die Present Progressive. Funktioniert ganz gut. Danach hatte ich zumindest genügend Motivation, um den Papierstoß vom Wohnzimmerkästchen abzuarbeiten- Briefe, Rechnungen, Dienstpläne … Sogar in meiner Geldbörse hab ich aussortiert.

Um drei fahr ich dann nach Wien zu Sam. Die hat heute Nachtdienst und ich passe auf Bijou auf. Übernachte also in ihrer Wohnung. Morgen, wenn sie dann nach Hause kommt, frühstücken wir noch gemeinsam und dann fahr ich von ihr gleich direkt zur Psychotherapeutin Kathi. Drittes Mal morgen … Bin gespannt, was sie dazu sagt, dass ich ein Buch über uns schreibe. Oder dass ich deiner Mama geschrieben hab. Wahrscheinlich notiert sie heimlich "Rückfall" in der Akte Joanna

So, ich sollte was tun. Muss noch die Wäsche aufhängen und mein Gesicht mit Make up bearbeiten. Bin zur Zeit wirklich leichenblass. Schrecklich! Juli hat bei der Massage übrigens geschimpft: "Joanna, du musst was essen! Schau dir deine Oberarme an, deine Muskeln verschwinden!" "Willst du vielleicht andeuten, ich hätte Schwabbel- Arme?" "Nein, aber du brauchst Eiweiß!"

Ich war wirklich schon lange nicht mehr so dünn, aber meines Erachtens ist mit meinen Armen alles in Ordnung!

Bin gespannt, ob deine Mama morgen wirklich mit dir redet bzw. ob ich es überhaupt erfahren werde … Ich vermisse dich.

 

1.12.15 13:57


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